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Wie vom Wind gehaucht.


Gedichtsammlung.
Norderstedt 2015. 103 Seiten. ISBN 978-3-7347-9610-4

Die geborene Hohenpeißenbergerin Heidi Kjaer hat ihre Gedichte wie vom Wind gehaucht zwischen gleichnamige Buchdeckel gepackt. Der aufmerksame Leser wird erkennen, dass sich die Autorin tief in die Seele blicken lässt. Zwischen den Gedichten in ausgefeilter Hochsprache finden sich ihre Herzensgedichte in Mundart.

Da wäre zum Beispiel das Herbstgedicht, das „die dunkl’n Doog“ lieber vertreiben möchte, um sich, ihrem Wesen viel mehr entsprechend, dem lustvollen Leben zuzuwenden. „Nix is vorbei!“, alles im Leben wiederholt sich, auch wenn „da liabschde Schatz“ gerade abhandengekommen ist. Wie die Jahreszeiten kommt auch der Mensch in seinen Lebensherbst. Und wie immer geht es auch hier viel zu schnell: „Weida gäds, oiwei weida“.

Gerne kehrt die Autorin an Orte ihrer frühen Kindheit zurück. Im Gedicht „Herbst-Hoamat am Hohen Peißenberg“ blättert sie einem „Buiderbiachal gleich“ in Kindheitserinnerungen, die sie nicht loslassen. Hier ist sie groß geworden, hier „tropft und tropft“ ihr „Herzbluad und oiss wui naus, midd’n nei ins Leb’n“.

Die melancholische Seite der Autorin lässt sich nicht verleugnen, und so schreibt sie auch Gedichte wie „Oamoi noo“. Doch alles hat seine Zeit, denn „der (Lebens-)Windda druckt gaach rei“. Dann heißt es, sich zu besinnen. Auch im Alter kann das Leben schön sein: es wird stiller, aber auch wertvoller. Die Sorglosigkeit der frühen Jahre ist vorbei ... einfach mal „im Bett lieg’n bleib’m, an Doog vadriedsch’ln“, das geht nun nicht mehr. Die Autorin ist sich der Kostbarkeit des Lebens bewusst und so schreibt sie in unverfälschter bairischer Mundart die Zeile: „Mit jed’m scheena Abendrot nimmschd Abschied von da Woid.“ Der Mensch wird still und lauscht ins eigene Leben hinein, „wenn drobm de Glockn vom Bergkirchal leit’n“. Wie vom Wind gehaucht sind sie dann da, die Stimmen der Vergangenheit, und beginnen zu reden.

Das erste Buch der ausgezeichneten Lyrikerin, so Helmut Glatz, Gründer des Landsberger Autorenkreises, enthält Poesie, Musik und Gefühle, ganz ohne Kitsch und Pathos. Die Autorin betrachtet ihr Erstlingswerk als ihr literarisches Vermächtnis. Wir hoffen, es ist nur der Anfang davon, denn immer ist auch das Herz mit „ganz vui Gfui“ dabei.