Sie sind hier: Berichte

In Erinnerung an alte Zeiten


Früher war alles besser, hört man immer wieder. Moderator Boris Schneider aus Buchloe wollte das testen. In Erinnerung an die Anfangstage des Landsberger Autorenkreises hatte er am 15. Juni zu einer Freien Lesung wie früher eingeladen: Jeder, der Lust hatte, ob Mitglied oder nicht, konnte im Café FilmBühne eigene Texte ganz ohne Themenvorgabe vortragen. So war er 2006 selbst auf die Autorenrunde aufmerksam geworden. Die Reihenfolge der Lesenden wurde bestimmt, indem Zettel mit Lesewilligen aus einem Hut gezogen wurden, auch dies eine alte Tradition des Autorenkreises.

Sechzehn Autoren hatten Beiträge dabei, so dass man ohne große Vorrede begann. Max Dietz startete mit Aphorismen, die zum Nachdenken oder Schmunzeln anregten. Roland Greißl hatte seine Ballade von Licar und Lecha, dem Flusswesen-Paar, das im benachbarten Lechwehr lebt, mitgebracht. Inifrau von Rechenberg folgte mit drei poetischen Liebesgedichten unter anderem über die stillen Dinge der Liebe. Mit Gerwin Degmair ging es humorvoll, zum Beispiel mit Schottenrock und Lederhose, weiter. Er hatte auch das brandneue Gedicht „Im Musikcafé“ für den Gastgeber, das Café FilmBühne, dabei.

Es folgte Claire Guinin, die einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 2006 vorzeigte, in dem berichtet wurde, dass neben dem Moderator auch sie selbst ihren Einstand im Autorenkreis gefeiert hatte. Sie las den gleichen Text wie damals (ihre erste Wiederholung überhaupt!) vom Elefanten am Tor. Damals war gerade die erste Anthologie des Autorenkreises mit dem Titel „Ein Elefant am Bayertor“ erschienen. Fred Fraas hatte „etwas zum Lachen“ in Mundart und „etwas zum Weinen“ über immer wieder fehlschlagende Selbstmordversuche dabei. Roland Han entließ die Zuhörer dann mit Gedanken über den Niedergang der deutschen Sprache in die wohlverdiente Pause.

Die zweite Runde startete mit Heidenore Glatz, die Urlaubsimpressionen in Gedichtform mitgebracht hatte. Dieter Vogel las eine absurde Geschichte über eine Frau aus dem Fuchstal, die immer jünger wird. Carmen Kraus hatte Gedichte über bewegende „Worte von Jericho“ bis hin zur „Schweigezeit“ dabei.

Humorvoll ging es mit Gedichten von Heinz-Otto Singer weiter, unter anderem über einen glücklichen Elefanten im Tempel. Marianne Porsche Rohrer trug Lustig-Lehrreiches aus ihrem Buch „Dr. Wald hilft Jung und Alt“ über Heidekraut, Steinpilz und das Wildschwein Erich vor. Auch Helmut Glatz hatte humorvolle Gedichte dabei. Bei ihm ging es um Fantasten, den Fußballspieler sowie ein Luftloch in Gurkenform.

Martje Herzog trug ihr skurriles, mit zahlreichen Wortspielen gespicktes Gedicht „Die Wildrosen randalieren wieder“ vor. Corinne Haberl hatte einen sarkastisch-humorvollen Lebenslauf geschrieben und sich über den Beischlaf von Fliegen und ihren rechten großen Zeh Gedanken gemacht. Mit einem Gedicht über den Walnussbaum in einer Abtei, in dessen Schatten man Ruhe suchen konnte, beendete Monika Sadegor die Leserunde angemessen.

Das Fazit? Früher war nicht alles besser, aber es kann durchaus Spaß machen, sich an früher zu erinnern. Die Bandbreite der vorgetragenen Texte war durch die fehlende Themenvorgabe jedenfalls so groß wie schon lange nicht mehr.

Boris Schneider