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Poeten treffen einander


Die befreundeten Autorenkreise aus dem Allgäu und von Landsberg hatten am Sonntag zum zehnjährigen Bestehen des „Poetentreffs“ zu einer gemeinsamen freien Lesung in das Hotel „Goldener Hirsch“ in Kaufbeuren geladen. Neben Mitgliedern beider Autorenkreise kamen auch noch weitere Vertreter der schreibenden Zunft, so dass es ein beschwingter Abend mit romantischen, humorvollen, nachdenklichen und teils auch sehr kritischen Beiträgen wurde, an denen viele Spielarten von Lyrik und Prosa zum Tragen kamen. Anders als bei einem sportlichen Wettkampf oder einem Poetry-Slam traten die Teilnehmer nicht gegeneinander an, sondern wollten in gemeinsamer Freude an der Sprachkultur den Zusammenhalt von Dichtern und Autoren in beiden Landkreisen fördern.

Nachdem Peter Würl für den Autorenkreis Allgäu und Boris Schneider für den Landsberger Autorenkreis die stattliche Runde von etwa 25 Personen begrüßt hatten, wurde reihum vorgetragen. Peter Würl startete mit zwei Gedichten, unter anderem zum Thema Herbst. Siegfried Kyek schloss sich mit einer poetischen Wüstenerzählung an, in der ein Mann seine wahren Schätze entdeckt. Helmut Glatz hatte zur Jahreszeit passend ebenfalls einige Herbstgedichte mitgebracht. Das jüngste Mitglied der Runde, der 17 Jahre alte Maximilian Wiedemann, begeisterte die Zuhörer mit positiv gestimmter Lyrik, u. a. einem Liebesgedicht in englischer Sprache. Carmen Kraus hatte ein Gedicht zu einer früheren gemeinsamen Lesung der beiden Autorenkreise mitgebracht und warb zudem lyrisch für die neue Anthologie des Landsberger Kreises mit einem Text über die Tore Landsbergs. Es folgte Heidi Glatz mit Gedichten zum Thema Natur. Für den Abschluss vor der Pause sorgte Paul Wendland mit Worten, die wie Pistolen, Liebespfeile oder Degen sein können.

Nach der Pause schilderte Reinhard Wendland in fließender Lyrik die Kreisläufe des Lebens am Beispiel eines Apfels und kämpfte mit poetischen Ladehemmungen. Isolde Unsin trug kurze Gedichte zu Rose und Hagebutte und ein lyrisches Märchen zur Blume der Liebe vor. Max Dietz las Texte aus der neuen Anthologie „Zwischen den Toren“. Sabine Smolik-Pfeiffer schloss sich mit Wortspielen zur Farbe Blau und Tiergedichten zu Falter und Maikäfer an. Die am schwersten verdaulichen Texte hatte Inifrau von Rechenberg mitgebracht, die sich in poetischer Sprache und teils düsterer Stimmung gegen Krieg und Gewalt aussprach. Nach Daniel Ullrich Ritter, der vier kurze Gedichte unter anderem zur Superzahl 4 vortrug, schloss Boris Schneider mit einer Geschichte über die Zecke, die immer daneben springt, ab.

Im Anschluss saß man noch lange beisammen, trug noch den einen oder anderen weiteren Text vor und philosophierte über Gott und die Welt. Siegfried Kyek fasste es in seiner Karte an die krankheitsbedingt fehlende Gründerin des Poetentreffs, Ingeborg von Rumohr treffend zusammen: Zufriedenheit, sogar Begeisterung lagen in den Worten aller Beteiligten.

Dr. Boris Schneider