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„Wir wollen uns frei fühlen in unseren Gedanken, frei in unseren Worten, frei in unserer Gestaltungsart ..., aber auch Freiheit als Empfindsamkeit für Verantwortung verstehen“, so Moderator Gerwin Degmair in seiner Begrüßung zur Freien Lesung des Landsberger Autorenkreises im Gasthof Siebentisch.

Und zu diesem Motto dann gleich ein erster Höhepunkt: Klaus Köhler las seine preisgekrönte Friedensgeschichte „Der Kommandant“, in der er schildert, wie sein Vater durch den beherzten Einsatz russischer Gefangener zu Kriegsende vor einer Internierung durch britische Besatzungssoldaten bewahrt wurde. Dazu hatte Günter Bohn ein großformatiges Gemälde mitgebracht: Seine Interpretation einer – wie manche Zuhörer meinten – etwas desperaten „Friedenstaube“. Roland Greißl, der am Vortag ebenfalls einen Preis für seine Friedensgeschichte entgegengenommen hatte, berichtete kurz von der Prämierung im Schloss Rudolfshausen (vgl. dazu auch den Bericht zum 19. April).

Dann ging es im Losverfahren weiter: Klaus Wuchner setzte sich auf ironische Weise mit Krankheiten auseinander, um schließlich festzustellen: Eine ideale Krankheit gibt es nicht. Marianne Porsche-Rohrer aus Schongau gab mit ihrem köstlich gereimten Gedicht gleich die Antwort: Bergwacholderbeerensaft – das universelle Allheilmittel. Poetisch- nachdenklich die Gedichte von Adelheid Reßler (Es fällt ein Baum), Angelika Müller (Der Tanz: Wie ein Schleier fliegt das Glück), Heidi Glatz (Frühlingsgrün in Südtirol; geradezu eine sprachliche Farbsinfonie), und Carmen Kraus mit ihren lyrischen Reflexionen über den Frieden, der nur gelingen kann, wenn auch der innere Friede bei den Menschen Eingang gefunden hat. Paul H. Wendland zeigte sich wieder als wortgewaltiger Sprachkünstler, der mit Vergnügen in Wortkaskaden badete: Aprilwald – Veilchenduft im Flatterwind ...

Wieder prosaischer dann die nächsten Beiträge: Helmut Glatz und Roland Greißl trugen mit verteilten Rollen eine verrückte Nonsensgeschichte des erkrankten Joachim Giebelhausen vor (wie man durch Patentierung des Buchstabens „I“ zum Millionär werden kann), Helmut Glatz hatte noch eine eigene Geschichte dabei über einen Weltuntergang, der nicht viel veränderte, Claire Guinin führte in lakonischen Dialogen die Argumente eines Statistikers ad absurdum, Boris Schneider erzählte eine köstliche Kindergeschichte davon, wie das „Ömel“ und der „Heldenspecht“ den festgefrorenen Fuchs aus Lebensgefahr retten. Aber damit nicht genug: Thomas Glatz setzte mit fantastisch-ironischen Gedichten und Geschichten so seltsam unwirklichen Orten wie Dösingen, Gräbing und Scheuring ein literarisches Denkmal. Besonders viel Beifall erhielt die erst elfjährige Verena Wessels aus Utting, die sich unter die Dichtergilde gewagt hatte und die Zuhörer mit ihrer „Regenfrau“ und anderen, munter gereimten und erfrischenden Frühlingsgedichten begeisterte.

Ironisch-hintergründig dann wieder das Schlussgedicht von Gerwin Degmair: Gedankenschrankenlosigkeit – selbst das kleinste Zwergelein kann im Geist ein Riese sein.

Fazit: 16 teilnehmende Autoren! – Eine spannende Vielfalt an Beiträgen, an Ideen, an Kreativität, die nie Langeweile aufkommen ließ.

Helmut Glatz

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