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Das hatte sich Helmut Glatz nicht träumen lassen, als er am 26. Januar die Mitglieder des Autorenkreises dazu einlud, dem Aufruf des Verlags AdmaCUM zu folgen und ihre Friedensgeschichten zum Wettbewerb zu schicken: Gleich zwei Autoren aus unserem Kreis erhielten Preise!

Helene Walterskirchen, die Sachbuchautorin, die erst vor einem Dreivierteljahr nach Holzhausen bei Igling gezogen war, hat eine Schwäche für das Zwischenmenschliche. Dies schlägt sich in ihren Büchern nieder, aber auch in Vorträgen und Aktionen, die sie im frisch renovierten Schloss in Holzhausen veranstaltet. Hier hat sie eine Hochburg der Friedensarbeit eingerichtet. Der Wettbewerb ist nur ein Aspekt von vielen. Eine ortsansässige Bank war so begeistert von der Idee, dass sie gleich den 1. Preis stiftete: rund 1000 Euro, der 2. war ein einwöchiger Aufenthalt in einer Schweizer Ferienwohnung, der 3. war gleich zweimal zu vergeben: ein Büchergutschein und ein Wochenende in einem österreichischen Hotel, schließlich ergab sich noch ein weiterer Preis, ein Aufenthalt in einem Hotel in Dießen.

Insgesamt 27 Autoren haben ihre Friedensgeschichten eingesandt. Am 19. April fand die Prämierung in Schloss Rudolfshausen statt. Frau Walterskirchen führte in ihre Friedensarbeit ein und berichtete über die Auswahlkriterien für die Platzierungen. Landrat Walter Eichner, der eine Laudatio halten wollte, musste krankheitsbedingt leider absagen, schickte zum Gruß aber einen alten Stich von Schloss Rudolfhausen. Dekan Oliver Grimm erinnerte, dass man gern erst dann an Frieden denkt, wenn er abhanden gekommen ist, und die Iglinger Bürgermeisterin Christl Weinmüller erzählte vom Bürgerkriegsland Angola, das sie kurz davor bereist hatte und das ihr die offensichtliche Friedensnotwendigkeit aufgezeigt hat.

Josef Ambros, ehemaliger Gutsverwalter auf dem Kauferinger Riedhof, hatte eine Geschichte verfasst, die in seiner Kindheit in Böhmen begann und mit der Jugendzeit in Bayern fortgeführt wurde. Die familiäre Gepflogenheit, während der Arbeit die Zeit mit Geschichtenerzählen zu verkürzen, brachte er in das neue Land mit. Hier wendete er sie an, um fünf zerstrittene Frauen wieder zueinanderzuführen, und brachte so Frieden und Freude in ihren eintönigen Alltag. Parallel dazu sah er die Geschichten aus 1001 Nacht, die ja auch Frieden zwischen den Menschen gesät hatten. Die anrührende wahre Begebenheit des schwer behinderten Autors, der seiner Tochter den Text diktiert hatte, wurde mit dem 1. Preis gewürdigt.

Klaus Köhler, unter anderem ehemaliger Lehrer und Gründungsmitglied des Landsberger Autorenkreises, trug eine Kindheitserinnerung vor: von dem kleinen Jungen, der am 18. April seinen 8. Geburtstag hatte, dessen Vater aber noch im Krieg war, durch eine glückliche Fügung jedoch genau an diesem Tag daheim sein konnte. Von den russischen Gefangenen berichtete er, deren Versorgung der Vater immer ein bisschen zu verbessern wusste, so dass sie dankbar seinen Kindern Spielzeug aus Holz schnitzten, und von den britischen Truppen, die bei Kriegsende beinahe den Vater mitgenommen hätten – wären da nicht die russischen Freunde gewesen, die ihn davor bewahrten. Einen Tag nach seinem 75. Geburtstag erhielt Klaus Köhler wieder ein besonderes Geschenk: den 2. Preis bei diesem Wettbewerb!

Ingrid Bickel ist Verwaltungsfachangestellte in Oberstdorf und in ihrer Freizeit gibt sie kreative Kurse bei der dortigen Volkshochschule. Ihre Geschichte ist ein Erstlingswerk und erzählt von ihrer Kindheit, als ihre Mutter immer wieder von sich reden machte, weil sie weltoffener war als in dem kleinen Ort üblich, wie der Vater sich allmählich von ihr ab- und dem Geschwätz in der Wirtschaft zuwandte, wie die Mutter oft weinte und sie sie dann aufmunterte, indem sie ihre Sommersprossen zählte. Doch als sie 13 war, ging die Mutter eines Tages mit dem kleinen Bruder weg, ohne sich bei ihr zu verabschieden. Jahre später erfuhr sie von ihm, dass die Mutter schwer krank sei und nach langem innerem Ringen stand sie dann wieder neben ihr und machte ihren Frieden mit der alten Dame: „Darf ich deine Sommersprossen zählen, Mama?“ Keiner war im Raum, der hier nicht eine Träne verdrückt hätte. Der Preis 3a hat Ingrid Bickel gefreut, doch bald schon verabschiedete sie sich: Daheim wartete die 84-jährige Mutter auf sie.

Roland Greißl, ehemaliger Lehrer und seit vielen Jahren im Landsberger Autorenkreis aktiv, schaute nicht in die Vergangenheit, sondern in eine fantastische Zukunft. Seine Geschichte verwandelte die Akteure in lebendige Orgeln, die bei jeder Berührung Töne erzeugten, Töne, die hochansteckend waren – und äußerst friedlich. Die Krönung erreichte das einfallsreiche Konstrukt, als sich an der Front schließlich die gegnerischen Soldaten in die Arme fielen statt sich zu bekriegen und dadurch weithin ein herrliches Friedenskonzert in den wunderbarsten Tönen erklang. Der weitere dritte Preis wird ihm demnächst vielleicht als Inspiration für eine bayerisch-österreichische Friedensgeschichte dienen.

Stephan Fritz ist in München als Lehrer tätig, und auch seine Geschichte war durch wunderbare Sprachfinessen gekennzeichnet. Seine Gartenidylle mit Singvögeln, die nur von Nachbars Katze gestört wurde, wusste er spannend und bildhaft zu beschreiben. Der Zuhörer sah förmlich die Steinmauer vor seinem inneren Auge wachsen, sah die Katze den Umweg entdecken, sich dennoch immer wieder ein Vögelchen holend. Er sah das alljährliche quirlige Treiben an der Wassertränke im Frühjahr und das allmähliche Altern der Katze und des Autors, die eines Tages, beide älter und ruhiger geworden, ihren Frieden miteinander machten. Der spät nachgereichte Text wurde als „Friedenspreis des Herzens“ prämiert.

Schon im kommenden Herbst will Helene Walterskirchen erneut einen Wettbewerb ausschreiben und hofft wieder auf zahlreiche einfühlsame Texte. Denn anschließend sollen alle guten Friedensgeschichten in einem Buch zusammengefasst werden. Wir können diesem Vorhaben wie auch allen weiteren Friedensprojekten nur gutes Gelingen wünschen!

Carmen Kraus

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