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Vom Ich übers Du zum Wir


Bei eisigen Außentemperaturen trafen sich Zuhörer und Autoren zur Freie Lesung des Landsberger Autorenkreises im heimeligen Café FilmBühne. Insgesamt 15 Schreibende hatten sich Gedanken zum Thema „Ich und Du und Wir dazu“ gemacht. Von humorvollen über ernste Gedichte, Gedanken über das Zusammenleben in Beruf, Familie oder einer Beziehung bis hin zu Erzählungen war wieder die ganze Bandbreite der Literatur vertreten.

Als Einleitung trug Moderator Max Dietz die Gedanken von Klaus Wuchner vor. Diesem war das Du als besondere Wertschätzung wichtig, die persönliche Nähe ausdrückt. Petra Hinterstößer beschrieb danach in ihrem traurig-düsteren Gedicht „Seit du fort bist“ die Einsamkeit, nachdem einen die große Liebe verlassen hat. Humorvoll ging es mit dem Gedicht von Hannelore Sasvari weiter, in dem Bauer Toni und seine Frau der Kuh Veronie ans Leder wollen, was aber gründlich schiefläuft.

Dieter Nölte philosophierte über Liebes-Rhythmus-Störungen, bei denen Du und Ich noch immer im Streit liegen, obwohl der nichtige Anlass schon lange in Vergessenheit geraten ist. Später berichtete er noch über die Vereinigung eines Hoffnungs- und eines Liebesgedichts, die unversehens von den Füßen der Zuhörer einer Dichterlesung gegeneinandergepresst werden.

Heidenore Glatz hatte drei Gedichte mitgebracht. In „Rosenlos“ beschwert sich die Frau über den fehlenden Rosenstrauß. Im mit Schuh-Bildern gespickten „Fußlahm“ trat das lahme Du dem Ich auf die Füße. Ganz anders dann in „Seelenfenster“, das vom Tanz der Liebe handelte. Claire Guinin machte sich danach lyrische Gedanken über die vielen Gegensätze in Raum und Zeit, die nur überbrückt werden können, wenn Wunder in uns geschehen. Mit einem sarkastisch-bösen Abschiedsbrief einer gehörnten Ehefrau an ihren Mann schickte Theresa Schermer die Zuhörer in die Pause.

Die zweite Hälfte eröffnete Sandro Wirth mit zahlreichen kurzen Beziehungsgedichten. Pointiert wies er in „Du sperrst sie ein“ darauf hin, dass Liebe Freiheit braucht. In „Lass ihn wachsen“ ging es um das Kind im Mann, das man mit Fantasie gießen muss, damit es gedeiht. Gerwin Degmair begann ruhig und nachdenklich mit „Neun Worte – ein Weg“, wobei allein fünf der neun Worte Ich, Du und Wir waren. Über „Zwiesprache“ und die Naturidylle „Im Wald“ endete er mit dem humorvollen Fazit in „Liebes gutes Nichtelein“, dass Dichter nie dicht sind, da ihnen immer ein Gedicht enttropft.

Max Dietz arbeitete sich in seinen Gedichten vom Ich („Schon Ich“) übers Du („Nur noch Du“) zum Wir und schloss dann mit einigen Aphorismen zum Thema. Martje Herzog hatte sich den Einladungstext genauestens angesehen, in dem neben Ich, Du und Wir noch die Abhängigkeit von „smarten Technologien“ thematisiert wurde. In „Wer bin Ich?“ schloss sie ihr eigens verfasstes Gedicht daher mit der Frage: Ihr mit Handy, was findet ihr?

Boris Schneider las danach den zweiten Teil seiner Familiensatire „Der große Sieb-Krieg“, in der ein Vater darum kämpft, dass seine Tochter das Badsieb säubert. Nach diesem Ich und Du im Raum der Familie machte sich Hans Schütz in teils therapeutischen Gedichten Gedanken zum Zusammenleben im Beruf. Wie in „Wölfe verteidigen“ oder „Leitwolfopfer“ war dabei der ergraute Wolf oft Sinnbild für den alternden Arbeitnehmer. Er schloss mit einer humorvollen „Bierprobe“, ein Stück, das auch in seinem neuen Mundart-Buch mit CD (Mundart wirkt gehört besser als gelesen) enthalten ist.

Carmen Kraus hatte die beiden märchenhaften Gedichte „Gemeinsam statt einsam“ (Froschkönig) und „Im Wachkoma“ (Schneewittchen) mitgebracht. In „Ein Traum vom Schnee“ kämpfte sie danach verbal gegen das Schmuddelwetter an. Monika Sadegor schloss den Abend mit ihrer Erzählung über die geplante Fusion von Ich- und Du-AG, einem Text mit doppeltem Boden, in dem man manchen Arbeitskollegen oder Politiker wiedererkennen konnte.

Boris Schneider