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Kunst ist ein Geschenk der Freiheit

Ein Gesamtkunstwerk, ein Dreiklang aus Kunst, Literatur und Musik sollte es werden bei der Lesung des Landsberger Autorenkreises im Rahmen der Jahresausstellung des Regionalverbandes Bildender Künstler RBK in der Landsberger Säulenhalle. Ein wahrhaft hoher Anspruch!

Es war interessant zu erleben, wie viele der Autoren sich mit der immer wieder gestellten und nie gelösten Frage „Was ist Kunst?“ auseinandersetzten. Das reichte von Klaus Wuchners provokanter Behauptung „Auch Kunsthonig ist Kunst“ über Katrin Gabriels Zitatesammlung („Jedes Kunstwerk hat so viel Daseinsberechtigung wie Erde und Sonne“) bis zur nicht unumstrittenen Aussage der Moderatorin Lore Kienzl: „Kunst ist ein Geschenk der Freiheit“.

Nicht ausbleiben konnten Ironie und Spott: Claire Guinin verspottete auf ironische Weise die Pseudo-Künstler und ihr Gehabe, Joachim Giebelhausen stellte in seiner bissigen Satire den großen Meister Jonathan Käsbohrer vor, Roland Greißl demonstrierte auf sehr überzeugende Weise, wie mit viel Wortgetöse ein „Unkunstwerk“ zum Kunstwerk hochstilisiert werden kann. Ironisch-karikierend und mit viel Sprachwitz schließlich die Schilderung einer Künstlerrunde in Schwabing, womit sich Thomas Glatz als versierter Insider zu erkennen gab.

Andere Töne schlugen Carmen Kraus und Gerwin Degmair an: Mit schönen, zum Teil gereimten Gedichten priesen sie die Kunst und den Akt gestalterischer Schöpfung. „Gedankensturm“, „Ein Kunstwerk entsteht“, „Über die Leidenschaft“, so die Gedichte von Carmen Kraus. Boris Schneider schuf mit seiner poetisch-philosophischen Betrachtung über das Leben eines Steins ein wunderbares Gemälde in Worten. Sehr Nachdenkliches setzte Max Dietz den Zuhörern vor: Tiefgründige Aphorismen zu den Themen Kunst, Kunstkritik, Künstler und Sprache, die wie Nüsse geknackt werden wollten. Und Günther Bohn verbündete sich in seinem schwarzhumorigen Dialektgedicht gar mit dem Boandlkramer: „Heit machma Engel hi“. Mit dem Thema Musik befasste sich schließlich Helmut Glatz, der in seinem „Musikmärchen“ die Bremer Stadtmusikanten nach Landsberg ziehen ließ, wo sie allerdings Auftrittsverbot erhielten und auf dem Hauptplatz nur ein Schweigekonzert geben durften.

Umrahmt wurde die Lesung vom Duo Harpa Santuri mit Gisela und Jörg Keller, die mit ihrem wunderbaren, stimmungsvollen Gesang und Spiel das Gewölbe der Säulenhalle so richtig zum Klingen brachten. Ein Dreiklang aus Bild, Wort und Ton: Die Zuhörer waren sich einig, dass das Gesamtkunstwerk an diesem Nachmittag gelungen war.

Helmut Glatz