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Zeit für die Zeit

Am Mittwoch, dem 21. März, trafen sich Mitglieder des Landsberger Autorenkreis zu einem öffentlichen Werkstattgespräch zum Thema Zeit. Im gut gefüllten Saal des Gasthofs Siebentisch trugen insgesamt 15 Autoren für die interessierten Zuhörer ihre Texte zum Thema vor. Anders als bei einer reinen Lesung, war es hier das Ziel, der Wirkung des eigenen Gedichtes oder der eigenen Geschichte auf die Zuhörer nachzuspüren, sich Tipps und Anregungen geben zu lassen und ganz nebenbei ein wenig über die Zeit zu philosophieren.

Die hätte bei 15 Teilnehmern auch sehr leicht knapp werden können, so dass der Organisator Boris Schneider aus Buchloe zu Beginn darüber abstimmen ließ, ob die Beiträge mittels Sanduhr zeitlich beschränkt werden sollten. Die Diskussionszeit hingegen sollte nach Ansicht des Moderators definitiv nicht zu kurz kommen, da ja gerade die Aussprache über Texte und Vortragsweise Ziel des Werkstattgesprächs sind. Man entschied sich mehrheitlich gegen den Einsatz der Sanduhr, auch auf die Gefahr hin, dass am Ende nicht jeder zum Zug kommen könnte. Zum Glück erwies sich diese Furcht jedoch als unbegründet. Die Autoren hielten sich sehr vorbildlich ohne Zwang an die Zeitvorgaben.

Interessant war wieder einmal die Vielfalt der Texte, die sich die Autoren hatten einfallen lassen. Beiträge in Form von Referaten oder Vorträgen sind ansonsten bei Lesungen eher selten vertreten. Diesmal setzten sich sowohl Claire Guinin als auch Klaus Wuchner in wissenschaftlicher oder philosophischer Weise auf diese Art mit der Zeit auseinander. Lyrik in ihren verschiedenen Formen hatten Monika Bayerle, Gerwin Degmair, Rena Geilich, Lore Kienzl, Heidi Kjaer, Klaus Köhler, Carmen Kraus, Angelika Müller und Paul H. Wendland mitgebracht. Prosa in den unterschiedlichsten Stilrichtungen und aus den unterschiedlichsten Sichten wurde von Heidi Glatz, Joachim Giebelhausen, Roland Greißl und Boris Schneider vorgetragen.

Von den Jahreszeiten über Erinnerungen, deren Verlust, den unterschiedlichsten Zeiteinheiten von Sekunden bis zu den Jahrmillionen, über den Tod bis hin zum Versuch, die Zeit mittels Telepathie auszutricksen, näherten sich die Autoren teils humorvoll, teils tiefgründig, teils bewegend dem Thema an. Da wurde mitunter die Welt aus der Sicht eines Demenzkranken betrachtet oder durch die Facettenaugen einer Fliege geblickt. Am Ende wusste man gar nicht, wie schnell die Zeit verflogen war. Ein kurzweiliger Abend, der das Thema Zeit in vielerlei Weise beleuchtete und Autoren und Zuhörern einen guten Einblick in die Schaffensvielfalt des Autorenkreises gab, ging so rechtzeitig zu Ende, dass noch Zeit für eine spontane Gesangseinlage von Adelheid Reßler blieb, die alle mit dem Wunsch nach mehr Zeit auf den Heimweg schickte.

Dr. Boris Schneider

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