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Vom malenden Gorilla zu Adams Gespielin


Wenn der Landsberger Autorenkreis zur Südlesung ruft, dann fühlen sich traditionell jedes Jahr viele Menschen angesprochen, Gastautoren, Mitglieder und Zuhörer. Das ist erfreulich. In diesem Jahr kamen, im Gasthof Janser in Schwabniederhofen, etwa 30 Literaturfans zusammen, je zur Hälfte Autoren und Zuhörer. Moderatorin Marianne Porsche-Rohrer hatte das Thema „Purzelbäume des Geistes“ vorgegeben, und von heiter bis besinnlich purzelten Ideen und Geistesblitze nur so dahin.
Die Nöte eines Malers, dem ein Pinselstrich missglückt war, schilderte Reinhard Wendland in einem ganz und gar nicht missglückten Gedicht mit subtiler Wortwahl. Paul Wendland schoss mit Worten wie geladene Pistolen, aber dennoch sehr feinsinnig, mit Lichtgedichten und Amors Pfeilen und führte zu sprudelnden Quellen.

Bei Thomas Glatz ging es um einen Redner, der seine Uhr vergessen hatte und sich beinahe schon zu kurz fasste. Gastautor Gerhard Peter hätte sich zeitlich gar nicht so sehr einschränken sollen, denn sein Gedicht von der Anakonda, die mit der Klapperschlange um das Wasserschwein streitet, war so amüsant, dass man gern länger zugehört hätte.
Märchenhaftes bot Monika Sadegor mit der Geschichte von Purzels Baum, einer Triade, die in der alten Linde wohnte. An wunderbaren Erinnerungen an eine Urlaubsreise nach Ungarn mit einem gefährlichen Ritt und eine umgekippte Kutsche ließ Claire Guinin die Zuhörer teilhaben.
Ursula Fröhlich, die Journalistin der Schongauer Nachrichten, wurde vom Autor Klaus Wuchner kurzerhand verpflichtet, seine höchst witzige Geschichte vom malenden Gorilla im Berliner Museum zum Besten zu geben. Bei Angelika Müller flossen die Gedichte vom Blumenpflücken, vom warmen Wald und Schwammerlglück und von den Träumen einer alten Frau sanft dahin.
Susanne Becker, Gelegenheitsautorin, erweckte mit ihren spritzigen Gedichten von der Brille, einem Wecker und der schnell vergehenden Zeit eher den Eindruck, ein echter Profi zu sein. Lyrische Texte von den Geheimnissen des Windes und des Lebens, dem hohen Himmel und der Heiterkeit von Lore Kienzl zeigten den unverkennbaren Stil der Dichterin.

Traumdeutung, bewusstes Leben und Fausts Verdammnis – Max Dietz regte wie immer zum Nachdenken an. Fred Fraas hätte sich beinahe mit seinem Titel „Hexenbrennen“ die Sympathien der weiblichen Besucherinnen verscherzt, aber nur beinahe. Alles ging gut aus.
Die Geschichte von der Erschaffung der Welt, spannend dargestellt von Theresa Schermer, bewies, dass Gottes Entscheidung, dass Adam eine Gespielin brauche, gewiss richtig war. Marianne Porsche-Rohrer leitete schließlich mit ihrem Gedicht von der Marzipanpraline über zum Dank an die bezaubernde Gerda Kees, die dem Abend mit ihrem schwungvoll gespielten Akkordeon und den „Küchenliedern“ das gewisse Etwas gegeben hatte.
Großen Dank an alle!

Marianne Porsche-Rohrer