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Beginne du zu lächeln, bald lächelt alle Welt


„Lachen verboten!?“ war das ebenso provokante wie anregende Thema, das sich die Mitglieder des Landsberger Autorenkreises gestellt hatten. Diesmal trafen sie sich mit einer erklecklichen Anzahl von Zuhörern in der urigen, bierdunstgeschwängerten Stube der Maxbrauerei in Altenstadt.

Nach altem Brauch wurde die Reihenfolge aus dem Hut gezogen, und just traf es einen Neuling: Peter Sieck begann mit schaurigen Gedichten über verhaltensgestörte Hunde und nervtötende Tanten: Schwarzer Humor pur!

Hans Schütz zeigte sich als Reime-Akrobat und wanderte die Dörfer um Schongau, von Birkland bis Krottenhill, in heiteren Versen auf und ab, etwa „wie man in Altenstadt den Tag zu gestalten hat“.

Anregungen aus der Welt der Musik übernahm Benno von Rechenberg. Ausgehend von einem jiddischen Witz variierte er das Thema in Dur und Moll streng nach Sonatenform bis zum furiosen Finale.

Einen anderen Ausgangspunkt hatte Max Dietz gewählt. Der unsinnige Zufallssatz „Drei Herren auf dem Damenklo“ regte ihn zu einer fantastisch-tiefsinnig-aberwitzigen Geschichte an.

Nachtspukgedanken, Traum-Assoziationen: Martje Herzog fügte das „Karussell im Hirn“, das sich in der Zeit zwischen Schlafen und Wachen hinter ihrer Stirn drehte, zu einem hinter- und untergründig gereimten Nonsensgedicht zusammen.

Anschließend konnte man mit Fred Fraas ins Land der Franken fahren. In seinem Mundartgedicht geriet ein traulicher Familienfernsehabend völlig aus den Fugen und endete in schrecklichem Chaos und entsetzlicher Anarchie.

Heidi Glatz entführte ans Mittelmeer. Sie schilderte in heiteren Versen ihre Impressionen am italienischen Urlaubsstrand und im Ristorante, wo man „in Pasta baden“ konnte.

Zurück nach Deutschland: Theresa Schermer beschrieb auf humorvolle Weise, was zwei Bayerinnen in Hessen bei der Frankfurter Buchmesse erlebten.

Gewissermaßen als Fazit der Veranstaltung kam das abschließende Gedicht von Helmut Glatz: Beginne du zu lächeln, bald lächelt alle Welt, und „nach einem Jahr lächelt vielleicht der Teufel sogar“.

So konnte die charmante und souveräne Moderatorin Marianne Porsche-Rohrer zum Schluss feststellen: Lachen ist nicht verboten! Lachen ist gesund, Lachen ist Lebenselixier. Wer einem anderen Menschen etwas vorträgt, der hat es in der Hand, ihn zum Schmunzeln oder zum Lachen zu bringen.

Was aber wären Lachen und Humor ohne Musik?! Eine echte Attraktion bot Gerda Kees mit ihren mittelalterlichen Kniepuppen, die Balladen und Bänkelgeschichten darstellten, und die Harmonika spielte so schmissig dazu, dass am Schluss nicht nur die Puppen tanzten, sondern auch die Autoren lachend und singend in die klare Vollmondnacht hinausschunkelten.

Helmut Glatz