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Der Sonne süßes Licht geschaut


Sturm, Regen und Gewitter draußen, Sonne in Gedanken und Manuskripten, Neues und Experimentelles vom Orgel-Erich – das waren die Konditionen, unter denen der Landsberger Autorenkeis in diesem Jahr die Südlesung gestaltete, ganz frei nach Euripides’: „Nichts Süßeres gibt es, als der Sonne Licht zu schauen.“ Der schmucke Gasthof Janser in Schwabniederhofen bot wieder den heimeligen Rahmen für die von Marianne Porsche-Rohrer moderierte Lesung.

Wortarm, dafür äußerst geistreich bot Thomas Glatz Gedichte um Glaube, Sonne, Mensch und Schöpfung, Schweigen und Horizont. Analytisch-exegetische Lyrik hatte Paul Wendland parat von Lichtworten und Schöpfungswissen, von Worten wie Pistolen, wie Liebespfeile, blitzende Degen und sprudelnde Quellen. Eine erhellende Begegnung in einem weißen Boot rezitierte danach Fred Fraas aus seinen italienischen Gedichten.

In den lichtvollen Gedichten von Carmen Kraus fielen warme Strahlen ins Dasein, und Wolkenflocken als Wächter der Welt betrachteten dies in stoischer Stille. Eine Lachgeschichte im Land des Königs Weinerlich, wo die Untertanen täglich Sauerkraut und Weintrauben essen mussten, um keinesfalls zu lachen, erzählte Helmut Glatz. Ein liebender Prinz und seine Prinzessin streuten aber Kichererbsen, die den König schließlich dazu brachten, lachend das Lachverbot aufzuheben.

In Sommersonne und Sommerwind wanderte Lore Kienzl bis ans Ende der Gedanken und ließ im Sonnenlachen alle Zweifel vergessen. „Lausbubngschichtn“ von Loisl, Hubsi und Nannerl, von Theresa Schermer liebenswert und berührend dargeboten, wärmten die Seele wie Sonnenstrahlen.

Balkone sammelte Dieter Vogel auf sonnigen griechischen Inseln, besonders auf Chios, wo man es als Tourist, der auf Zimmersuche ist, nicht immer leicht hat. Mit lokalen Scherzgedichten brachte dagegen Hans Schütz die Zuhörer zum Schmunzeln: Weit spannte er den Bogen von der Pilzgericht-Tragödie in Erbenschwang über interkulturelles Landleben in Birkland bis zu den Schotten in Krottenhill und den Fingerhaklern in Schwabbruck.

Als Krönung am Schluss sinnierte Roland Greißl über seinen Kindheitstraum, das Brücklein am Lech mit Elfen und Wichteln in Herkomers Garten, und führte schließlich in die harte Realität der Planung einer überteuerten Fußgängerbrücke.

Ganz zum Schluss überraschte ein Quodlibet von Helmut und Thomas Glatz, spontan ergänzt von Lore Kienzl und Hans Schütz – Kunst oder lyrisches Durcheinander? Vermutlich wussten das die Akteure selbst nicht so genau.

Einmütige Bewunderung und Anerkennung erntete wieder Erich Steiner für seine Drehorgel-Experimente und die Kunst, ein traditionelles Instrument virtuos und modern zu spielen.

Marianne Porsche-Rohrer, dankte für die vielen sonnigen Gedanken, für alles Tiefgründige und Liebenswert-Unsinnige, für Nachdenkliches und Ermutigendes – und freut sich schon auf die nächste Südlesung!

Marianne Porsche-Rohrer