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Zweieinhalb Stunden Lesung und kein bisschen langweilig

Was prasselte da nicht alles auf die zahlreichen Zuhörer bei der „Nordlesung“ des Landsberger Autorenkreises in der Kauferinger Bücherei ein: heitere und ernste, lustige und nachdenkliche, sinnige und unsinnige Geschichten und Gedichte. „Wetterlaunen – Letternlaunen“ hatte Moderatorin Heidenore Glatz als Motto ausgegeben, und das bot Anregung für mancherlei Naturschilderungen, lyrische Gesänge, Sprachspiele und Philosophistereien.

Den Anfang machte die Moderatorin selbst mit einem fabelhaften Märchen über den verloren gegangenen April, der im Sanatorium seine Depressionen auskuriert. Heinz Otto Singer dichtete charmant über den Charme des Frühlings in Paris, während Joachim Giebelhausen die Satire von der traurigen Vogelscheuche zum Besten gab, die über die mangelnde Rücksichtnahme der Singvögel klagte. Hannelore Warreyn und Carmen Kraus rezitierten Gedichte – vom Stein, der eine Unwahrheitslawine auslöst, vom reinigenden Regen, vom winzigen Tropfen im Meer: „Eins mit Ozean und Himmel, Erde und Weltraum: Du bist wichtig!“

Aufregend und dramatisch die Auseinandersetzung des Buntspechts mit seiner zänkischen Spechtfrau vor dem verstopften Höhleneingang: Boris Schneider hatte hierzu ein Rübezahlmärchen in moderne Form gegossen. Weiter ging es: Gabriele Gerlach widmete sich auf vergnügliche Weise verschiedenen ominösen Wurmarten: dem Bandwurm, dem Bücherwurm und dem Ohrwurm. Fred Fraas las einen Liebesbrief, gewidmet dem Frühling mit all seinen Facetten, Monika Hrastnik schloss sich mit einer Liebeserklärung an ihren eigenen Garten an, Gerwin Degmair griff tief in die Letternkiste und wälzte sich förmlich in Versen und Reimen: „Absurd muss Dichten sein!“

Roland Greißl reflektierte über die drei Stufen des Lebens, die mit dem Ausruf enden: Freue dich an der Frische des Morgens, springe ins Leben! Nicht weniger philosophisch Reinhard Wendlands tiefschürfendes und tröstliches „Gespräch mit einer trauernden Seele“.

Heiter-satirisch die nächsten beiden Beiträge: Helmut Glatz berichtete von einem Interview mit dem berüchtigten Professor Zwetschgenmoser über die olfaktorischen Grenzmarkierungen Bayerns, und Thomas Glatz schilderte die verzweifelten Versuche eines Lokalredakteurs, eine originelle Überschrift für das Maibaumaufstellen in Pflaumendorf zu finden.

Nachdenklich stimmte schließlich der Beitrag von Max Dietz: der Monolog eines Verschwörungstheoretikers, mit dem Fazit, es wäre doch viel leichter, die Welt zu heilen, wenn man die Daseinsangst überwinden und – so drückte es Moderatorin Heidenore Glatz in ihrem Schlussgedicht aus – seinen Mitmenschen gelegentlich ein Lächeln schenken würde.

Zu den Wortgesängen und Letternlaunen der Landsberger Autoren gesellten sich die harmonischen Klänge von Querflöten, Geige und Cello: Das Kauferinger „Trio Querstrich“ mit Uli Schreiber, Angela Staude und Toni Schmid bot mit schönen Klängen von Mozart und Zeitgenossen der Veranstaltung einen prächtigen, klangvollen Rahmen.

Helmut Glatz