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Geahntes, Gefühltes, Gewusstes


Den Reigen der „ahnungsvollen“ Autoren eröffnete Heidenore Glatz, indem sie beim Anblick schwirrender, verzottelter Schneeflocken im Traum bereits von ferne das leise Singen von Vögeln erahnt, die auch uns bald zum Singen bringen würden.
Moderator Max Dietz lenkte daraufhin den Blick in eine wenig erstrebenswerte Zukunft, in der Dialekte verboten sind, Lyrik und Prosa dagegen eine schüchterne Wiederauferstehung feiern. Als ihnen der entflohene Serviceroboter „Quantus III.“, Prototyp des „Homo Quantus“, begegnet, bedauern sie zutiefst dessen Sklavendasein.

„Et incipit vita nova“ – in der Tat „begann ein neues Leben“ für die Hauptperson in Monika Sadegors Geschichte, als sich diese in der Lebensmitte zweifelnd entschied, neben ihrem Beruf ein Studium der Vorsokratiker zu beginnen; ein Professor der alten Schule integrierte sie vom ersten Tag an in den engeren Kreis seiner Studenten.
In ihrem neuen Buch „Gedichte. Gedanken aus vier Jahrzehnten“ möchte Hannelore Warreyn im Leben ankommen. Ihr Fazit lautet, das Herz könne sehen, was das Auge nicht zu schauen vermöge. Und Gefühle fänden sich in den Haarwurzeln, im Blick die Liebe.

In Monika Hrastniks Gedicht hatte sich ein Mensch „im Gefühlswald verfahren“ – und muss nun feststellen, dass die Metamorphose aus den einstigen Schmetterlingen im Bauch einen Drachen gemacht hat; aber ein Engel an der Seite macht das Leben leicht erträglich.
Dass man immer beide Seiten anhören muss, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, zeigte die Geschichte von Roland Greißl. Nach wüsten Beschimpfungen einer Frau „spürt“ der Protagonist in einem nahen Restaurant genau diese Frau unter 150 Gästen heraus und erlebt sie vollkommen anders.

Von gesunden Bananen, deren Geschmack wir kaum erahnen, spannte Marianne Porsche-Rohrer ihren Gesundheits-Bogen und riet, „Lies lieber die alten Philosophen, statt vor dem Fernseher zu pofen“, denn die würden zu Erlebnis und Medizin in einem werden.
Weniger gesund verliefen die Backkünste von Heinz Otto Singer, dessen schottischer Früchtekuchen für den Bäcker zu einem Whiskey-Festival gerät. Wenn aber ein Mensch glaube, das Leben sei nur ein Theater, brauche er bald einen Psychiater.

Mehr ernste Überzeugung als Ahnung bedeutet es für Joachim Giebelhausen, was ihm widerfahren werde, nachdem er „um 12.11 Uhr“ verstorben sei. In seinem neuen Buch „Einprägungen“ beruft er sich dabei auf die Gedanken des Anthroposophen Rudolf Steiner, die für ihn eine fesselnde Logik besäßen. Die Seele werde nach dem Tod mit der „Ursubstanz“ konfrontiert, der sie sich bei allen Wiedergeburten stellen müsse.
Carmen Kraus ließ die Zuhörer die Geheimnisse der Kunst in ihrer Tiefe ahnen, sofern sie mit offenem Herzen vor einem Kunstwerk stehen. Die Kinder aber lehrten sie das Loslassen vom Alten und den Mut der urteilsfreien Zuwendung zur Gegenwart.

Den guten Vorsätzen zum neuen Jahr hielt Lore Kienzl den Spiegel vor: Kaum habe dieses begonnen, seien Vorsätze und Achtsamkeit schnell vergessen, und so altere auch dieses Jahr wie gewohnt vor sich hin.
Mit dem Psychogramm von Helmut Glatz über die Prophetin Heike Kuseband endete der Lese¬reigen der Autoren. Ihr seherischer Blick zeige der Prophetin, wie „die zukünftigen Ereignisse Schlange stehen“, aber die Gegenwart diese nicht passieren lasse.

Mit diesem seherischen Blick endete ein Abend, der vielfach in geahnte Tiefen blicken ließ.

Roland Greißl