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Der "Salzstangensalon" zu Gast

Es ist ein guter Brauch des Landsberger Autorenkreises, immer wieder Literaten aus anderen Regionen einzuladen. Diesmal waren die Mitglieder des in der Insiderszene fast schon legendären Münchener „Salzstangensalons“ gekommen. Dahinter verbirgt sich ein Kreis befreundeter Schriftsteller, die zumeist für die renommierte Literaturzeitschrift „Am Erker“ schreiben. Moderator Thomas Glatz, selbst Mitglied und Mitbegründer der „Salzstangenliteraten“, freute sich über die zahlreichen Zuhörer – der Nebenraum des Gasthofs Il Lago di Garda war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Reihenfolge wurde durch das Los bestimmt.

Der Performance-Künstler Tommy Schmidt begann und entführte auch gleich in die Landeshauptstadt; zusammen mit seinem zehnjährigen Sohn Anton Thorwart las er eine aufregende Reportage über die vorbeibrausenden Luxusautos auf der Leopoldstraße. Reinhard Ammer, Wortkünstler und bekannt wegen seiner „monovokalischen Texte“, verzichtete auf alle Vokale bis auf einen. In seinem „E-Werk Elfenfeld“ hörte sich das dann so an: „Der lebensspendende Brennstern versendet extreme Helle. Grell blendet Melks Elfenfeld jeden, der des Weges schlendert.“

Andere Töne schlug Matthias Hofmann, Herausgeber des Internet-Portals www.friktionen.de, an. Seine spannende und anrührende Geschichte von Ernst, der als Opfer unbarmherzigen Konkurrenzkampfes sein Fachgeschäft für Toilettenbürsten schließen muss, endet (fast) mit einem Mord.

Cramer, Altphilologe und Neuphilosoph, wurde vorgestellt als „der einzige lebende deutschsprachige Autor, der in Hexametern schreibt“. In seinen Gedichten wie „Der Mann mit dem Schlapphut“ oder „Das Lied vom Vögelchen“ zeigte er sich als stimmgewaltiger Wortakrobat und philosophischer Eckendenker.

Aufregend wurde es in Doris Weiningers (Pseudonym: Miss Harmlos) anspielungs- und beziehungsreicher Geschichte vom veganen Dönerkoch, der nur mit knapper Not den Fängen einer brutalen Dönermafia entgeht.

Andreas Heckmann, als Redakteur der Erkerzeitschrift, referierte ausführlich über die neueste Ausgabe zum Thema „Neu beginnen“. Anschließend las er aus seinem Zyklus „Kindheitsflecken“ kurze, intensive Texte voller Poesie, in denen die Erinnerung aufscheint wie ein fernes Leuchtfeuer aus vergangenen Zeiten.

Die nächste Leserin, Anna Serafin, entführte in ihre polnische Heimat. Sie las ein Romankapitel über den Zweifrontenkampf eines jungen Kaplans gegen die Verkrustung der konservativen Gläubigen und gegen die misstrauischen Behörden des sozialistischen Staatsapparats.

Zum Schluss des auf- und anregenden Lesereigens kam Moderator Thomas Glatz selbst zu Wort. Er schlug den Bogen zurück nach Landsberg, genauer: in die Weststadt, wo er mit den „Jugendstreichen des Knaben T.“ seine Lausbubenzeit verbrachte und beendete. Da war der Wiedererkennungswert groß, und mancher Zuhörer musste sich die Lachtränen aus den Augen wischen.

Helmut Glatz