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Neue Bücher statt Faschingstreiben


Woanders feierte man den Faschingsanfang, während der Autorenkreis im Café FilmBühne den Abend des 11.11. zur Lesung mit Vorstellung neuer Bücher wertvoller genutzt glaubte.

Als Erster war ein Überraschungsgast an der Reihe: Aus dem großen Bildband „Johann Mutter“, der im September im Imhof-Verlag, Petersberg, erschienen ist, las sein Autor, der ehemalige Leiter der städtischen Museen, Hartfrid Neunzert, drei Passagen vor. Er stellte dabei zwei originale Gemälde auf die Staffelei und konnte so den Hörern die direkte Betrachtung von Werken des 1974 verstorbenen Malers buchstäblich nahe bringen. Eines der Gemälde ist eine Leihgabe aus den USA und gibt den Blick des Künstlers von seinem Atelier aus, das er selbst „Werkstatt“ nannte, wieder. Mit kräftigen Farben verewigt der Maler die Bäume am Peter-Dörfler-Weg, die Häuser und den Lech. Ein weiteres Gemälde mit dem zur Jahreszeit passenden Titel „Herbstbäume“ beschrieb der Vortragende so, dass allen klar wurde: Dem Künstler ging es nicht darum, eine Flusslandschaft abzubilden, sondern dem Betrachter ein ausgewogenes Ölbild zu bieten, das schier unerschöpflich neue und überzeugende Form- und Farbeffekte aufweist. Mit der zweiseitigen Abbildung des im Landratsamt ausgestellten Gemäldes wies der Referent auf den Lechrain hin, in dem Johann Mutter 1902 geboren wurde. Das Buch erschien vorzeitig, um 2017 an den 115. Geburtstag des Landsberger Malers, Grafikers und Fotografen zu erinnern.

Hans Schütz, der Moderator des Abends, kündigte daraufhin den Gedichtband „Professor Mistelmiefs gesammelte Ungereimtheiten“ von Helmut Glatz an. Der Autor war wegen der „Schnürl“-Premiere leider verhindert, und deshalb rezitierte Carmen Kraus drei Gedichte aus dem neuen Werk. Die Zuhörer lernten daraus immerhin, dass „Dummheit ein Verstand, der nicht vorhanden“ ist, Intelligenz aber auch nicht vor Dummheit schützt. Nebenher erfuhren sie, dass Helmut Glatz von 2600 Einsendungen bei einem Gedicht-Wettbewerb mit „Wir sind nur fremder Welten Spiegelungen“ den zweiten Preis errungen hat!

Als Beweis für eine andere Spiegelung stellte Carmen Kraus ein von ihr zufällig entdecktes, fast 100-jähriges Buch von Clemens Taesler vor: „Zwischen den Toren (der Ewigkeit)“! Inhalt und Art erinnern nicht nur vom Titel her an den Band „Zwischen den Toren“ des Autorenkreises.

Marianne Porsche-Rohrer durfte als nächste die neueste Kreation aus ihrer Ratgeberreihe vorzeigen: „Der Kopf wird fit und ich mach mit“. Auf die von ihr geschätzte Weise verpackt sie ihre Gesundheitstipps in liebevoll-ironische Verse – so können Ginseng, nach weiter Reise von China, und die Melisse in Bauch, Magen und Kopf ihre Wirkung gelöst entfalten.

Bei der Lesung für Joachim Giebelhausen am 1. April 2016 war Hartfrid Neunzert als Gast im Autorenkreis, hier im Bild mit Britta Hornung. Foto: Roland Greißl.

Dann las Thomas Glatz aus seinem aktuellen Miniroman „Die übrige Zeit bis zum Bestimmungsort“, drei erhellende Kapitel über eine Taxifahrt und eine gewisse Frau „O“.
Endlich war der Moderator selbst an der Reihe. Hans Schütz, noch bestens bekannt von der „Lechliebe“, präsentierte sein „Ludwig zum Zweiten“, worin die beiden Gymnasiasten Fritz und Max in den turbulenten Jahren 1970/1971 die Gegend um Steingaden „unsicher“ machen – viel Autobiografisches und viel Zeitgeschichtliches geschickt verpackt in flott erzählter Handlung.

Die Zeit ließ es noch zu, dass auch die freie Lesung zu ihrem Recht kam. So führte Fred Fraas die plötzlich ganz nachdenklichen Zuhörer in die Unwelt der Psychiatrie. „Narbengesicht“ hieß seine erschütternde Fallschilderung selbstverletzenden Verhaltens aufgrund Deprivation.

Max Dietz versuchte mit „Treffen mit Hagenbuch“, einer Annäherung an Hanns Dieter Hüsch, und dem dadaistischen Herbstgedicht „Wenn da Okt“ die Stimmung wieder zu normalisieren. Dann erinnerte er an die neuen Medien, in denen auch Texte an die Öffentlichkeit kommen könnten, als Beispiel nannte er seine „GedankenSplitterReime“ im deutschen Aphorismen-Archiv.

Schließlich umrahmte Hartfrid Neunzert den Abend mit einem kurzen Psychogramm von Johann Mutter und Einzelheiten aus dessen Leben und Umgebung. Insgesamt entstand so wieder einmal ein vielseitiges und doch intimes Treffen Gleichgesinnter – und sicher nicht das letzte.

Hartfrid Neunzert und Max Dietz