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Literaturaustausch zwischen Allgäu und Landsberg

Schon seit einigen Jahren sind sich der Autorenkreis Allgäu und der Landsberger Autorenkreis freundschaftlich verbunden. Am Sonntag, dem 17. März, trafen Vertreter beider Kreise im Rahmen des Poetentreffs im Gasthof „Goldener Hirsch“ in Kaufbeuren zusammen, um in kollegialem Rahmen Auszüge aus ihren Werken vorzutragen. Peter Würl begrüßte die Gäste aus der Lechstadt wortgewaltig. Der Buchloer Autor Boris Schneider, der auch externes Mitglied im Autorenkreis Allgäu ist, dankte im Namen der Landsberger für die Einladung.

Danach ließen die Autoren Gedichte und Geschichten sprechen. Immer im Wechsel folgte ein Vertreter des einen Kreises dem des anderen. Den Anfang machte der frisch gekürte organisatorische Leiter des Landsberger Autorenkreises, Max Dietz. Aus seiner beeindruckenden Sammlung von Aphorismen hatte er die Themen Literatur, Wissenschaft und Kultur herausgepickt. Hermann Schnitzinger folgte mit einer Science-Fiction-Geschichte, in der die Marsfrau Marski von ihrem Traummann auf Terra berichtete. Lore Kienzl erzählte von einer gebeugten, aber glücklichen alten Frau, die den Stein der Weisen im technikfreien Leben auf einer Berghütte gefunden hat Ihr Frühlingsgedicht über einen Fisch wurde von Isolde Unsin mit Frühlingslyrik über einen Vogel aufgenommen. In weiteren Gedichten spürte die Biessenhofenerin unter anderem mit poetischen Worten den Gefühlen nach, die ein Löffel Honig im Winter auslösen kann. Ganz anders Thomas Glatz, der literarisch bislang unbeachteten Orten mit, wie er selbst sagte, „merkwürdiger Kurzprosa“ ein Denkmal setzte. Voraussetzung für diese Ehrung ist allerdings ein Schild am Ortseingang, das den Neuankömmling freundlich willkommen heißt. Diesmal ging es – immer fiktiv – um das Fest der Marktschreier in Gräbing, eine Straußenfarm in Stöttwang und die Knödeloma aus Jengen. Agathe Sigg-Veh hielt mit auswendig vorgetragenen eigenen Gedichten und solchen ihres verstorbenen Mannes erneut die Fahne der Lyrik hoch. Bei ihr ging es um Naturschauspiele wie den Flug eines Reihers oder Sonnenblumen, aber auch um philosophische Gedanken, z.B. zum zarten Pflänzchen der Vergebung, das sich verzweifelt auf dem windumtosten Berg der Gerechtigkeit festkrallt. Helmut Glatz plättete die Zuhörer mit der Geschichte vom Rhododendron und dem Niemandsland, das so schmal wie ein Blatt Papier zwischen den Grenzen zweier Länder liegt. Siegfried Kyek, organisatorischer Kopf der Allgäuer, hatte sich in zwei Gedichten Gedanken über die Macht ungesagter und gesagter Worte bzw. über die oft vielfältigen Arten, Worte zu artikulieren, gemacht. Roland Greißl hatte mit eben getrockneter Tinte zwei Gedichte über die beiden Päpste mitgebracht. Mit zwei kurzen Geschichten regte er zudem zum Nachdenken über das heutige Familienbild in unserer Gesellschaft an. Margit Schäfer trug frei einige ihrer Gedichte vor. Neben den Themen Frühling und Liebe ging es darin auch um den Umgang mit Behinderten. Boris Schneider trug zum bevorstehenden Osterfest eine Geschichte über die Evolution des Osterfestes in Australien vor, in der die traditionell für das Verstecken der Eier verantwortlichen Kängurus von den neu angekommenen Hasen verdrängt werden. Den Abschluss machte Peter Würl mit zwei Gedichten zum Thema Jugend, die jeweils ganz unterschiedliche Saiten zum Klingen brachten. So ging es im ersten um das Flügge-werden, wohingegen im zweiten die vielfältigen Probleme der jugendlichen „Sorgenkinder“ in heutigen Zeiten thematisiert wurden.

Nachdem der offizielle Teil ausgeklungen war, saß man noch länger gemütlich beisammen und trug den einen oder anderen weiteren Text vor. Insgesamt war es ein fröhlicher Abend mit einer wunderbar vielfältigen Mischung unterschiedlicher Geschichten und Gedichte, gut dazu angetan, die Freundschaft der beiden Autorenkreise zu vertiefen.

Boris Schneider