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"A schiànà Leich"

So hieß das Thema des Lechrainer Mundartabends, den der Landsberger Autorenkreis beim Staudenwirt in Oberfinning veranstaltete. Und schon in seinen Einleitungsworten wies Otto Stedele, der zusammen mit Franziska Ostner den Abend gestaltete, darauf hin, dass es sich nicht (nur) um traurige Ereignisse handeln würde, sondern dass die Vorträge mit einer kräftigen Prise schwarzen Humors und heiterer Episoden gewürzt wären. Als Beweis zitierte er gleich zu Beginn eine Anzahl von Grabsteinsprüchen, die zeigte, dass die Menschen in früheren Zeiten recht unbefangen und mitunter auch spitzbübisch mit dem Tod umgingen.

Dann wurde am Beispiel der Beerdigung des Kriegskameraden Josef Lautenbacher der Ablauf einer besonders „schiànàn Leich“ demonstriert, angefangen vom Versehgang bis zur Leichenrede des Kreisbrandinspektors und dem anschließenden Totenmahl. Unterstützt von der Mundartforscherin Franziska Ostner und den Dialektsprechern Irmgard Schmidt, Georg Stork und Klaus Stedele folgte nun eine Fülle heiterer Geschichten rund den Beerdigungskult: Wie der Kanonensepp seine Kanone zu stark lud und alle Stallfenster in Scherben verwandelte, wie der „Hosaladda“ beim Sargtragen seine Hose verlor, wie der Grabgesang des Feuerwehrchores in purem Chaos endete und vieles mehr. Otto Stedele legte dabei Wert auf den Hinweis, dass alle seine Geschichten, die er so meisterhaft in Worte zu fassen verstand, auf wahren Begebenheiten beruhten.

Zwischendurch brachte die 88-jährige Ida Rittner im Oberpfälzer Dialekt eine Anekdote von einem Scheintoten zu Gehör, und Joachim Giebelhausen las eine seiner nachdenklich-heiteren „Nonsensgeschichten“.

Wenn es an diesem Abend auch um ein ernsthaftes Anliegen ging, nämlich um die Pflege und den Erhalt des Lechruaner Dialekts, und wenn auch viel vom Sterben und vom Tod die Rede war, so flossen allenfalls Lachtränen, und die mehr als 80 Zuhörer spendeten Otto Stedele begeistert Beifall für seinen temperamentvollen Vortrag und seine schönen, wundersam-wunderbaren Geschichten. Musikalisch abgerundet wurde der Abend von Adelheid Reßler, die es verstand, die Gäste durch ihr gekonntes Spiel auf der Harmonika immer wieder zum Mitsingen zu veranlassen.

Helmut Glatz