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Sportlich, sportlich, die Autoren!

Ungewöhnliche Orte, an denen sie ihre Texte lesen, sind nichts Neues beim Landsberger Autorenkreis: im Wildpark Landsberg, in der Therme Bad Wörishofen, in Salzburg, im Kunststadel Kreut bei Peiting, in der Säulenhalle Landsberg, im Deutschen Haus in Waal usw. Aber in einem Fitness-, Sport- und Yogacenter zu lesen, das war mal eine neue Erfahrung. Doch Stimmung und Ambiente im Ladies-Sportclub „Mrs. Sporty“ in Landsberg unter der Leitung von Holger Enz passen von Anfang an, und so fällt es den sieben angetretenen Autorinnen und Autoren nicht schwer, ihr breitgefächertes Repertoire vorzustellen.

Carmen Kraus, die den Abend charmant und sprachlich sicher moderiert, beginnt mit einem Überblick über die Entstehung und das breite Schaffen des Autorenkreises. Geschickt baut sie zu den verschiedenen Themen, die im Kreis Gegenstand der Betrachtung waren oder sind, eigene Gedichte ein, die diese lyrisch beleuchten. So gleicht der Kreis in ihren Augen eher einer noch unförmigen „Knolle“, in der Fruchtbares angelegt ist. Oder einem Stein, dessen Inneres erst im Laufe der Zeit zum Vorschein kommt. Ihre fein gedachten Bilder geraten insgesamt zu einer Liebeserklärung an den Autorenkreis.

Klaus Köhler nutzt die Gunst des Ortes, um den „Körperkult“ unter die Lupe zu nehmen: Kann sich auch manches Resultat durchaus sehen lassen, so klingeln so ganz nebenbei auch kräftig die Kassen. Andere seiner Gedichte beleuchten ironisch die Schmerzen, die man beim Arzt erleben kann und die den Patienten an rasche Flucht denken lassen. Die mitreißende Geschichte „Kerneis“ schildert ein Erlebnis aus seiner Kindheit, bei der ein Junge bei einer Wanderung übers Eis beinahe ertrunken wäre.

Angelika Müller ruft in ihren Gedichten zu „Bewegung“ auf, nicht reglos zu verharren, sondern voranzueilen. In „Hab ein Wort verloren“ trauert sie einem vergessenen Wort tief nach, denn genau dieses hätte sie zu ihrem schönsten Wort erklärt. „Es ist“ beschreibt, wie sehr die Seele, das Herz, der Gedanke, die Bewegung, aber auch die Ruhe letztlich das Leben charakterisieren. Für den Ort der Lesung hält sie mit einem Augenzwinkern ihr Gedicht „Bauchgefühl“ bereit, in dem sie die sportlichen Veränderungen am Bauch und im oft schmerzverzerrten Gesicht in Worte fasst.

Roland Greißl überrascht in seiner Satire „Ein ganz normaler Mann“ mit der Erkenntnis, dass Männer und Frauen wohl doch nicht so unterschiedlich in ihrem Denken und Tun sind, wie man gemeinhin behauptet. Ein Mann gerät unversehens in die orangefarbene Meditationskleidung seiner Frau – und verliert sich dauerhaft in ihr. So wartet er darauf, bis sein Meister Prahlad Jani, der seit über 70 Jahren keine Nahrung mehr zu sich nimmt, stirbt und ihn damit freigibt. Ihm ist damit genau das passiert, was einem Mann „niemals“ passieren kann, weil er ja „immer bei klarem Verstand ist“. Greißls ironisches Gedicht über Mountainbiker, die ihre Bremsscheiben zum Glühen bringen, kommt vor allem beim begeisterten Mountainbiker Holger Enz gut an.

Monika Hrastnik widmet ihre ironischen, sprachlich ausgefeilten Gedichte der sportlichen Umgebung. Sie fragt in „Es lebe der Sport“, ob es denn gesund sei, sich wie ein Hund zu schinden – um sich dann beim Dönerstand wieder mehr einzuverleiben, als man vorher weggetrimmt hat. Im Gedicht „Was für ein Tag“ beschreibt sie die Mühen eines Tages, zu denen unter anderem auch gehört, die „Nordwand der Couch“ zu erklimmen.

Boris Schneider liest aus seinem neuen Buch „Mauszeiten“, das noch im Druck ist, eine Geschichte, in der es um die Verfolgung der Maus Kasta durch eine Katze geht. In dieser ganz eigenen Welt der Mäuse ist Frith ihr Gott und zugleich die Sonne. In sprachgewaltigen Bildern schildert er die atemberaubende Flucht: So ist die Katze nur noch „zehn Mauslängen von ihr entfernt“, ihre grauenhaft-riesigen Krallen werden minutiös-detailliert beschrieben – aus der Sicht der Maus. Nur knapp entgeht Kasta dem Unheil, als sie in einen U-Bahn-Schacht stürzt. Dort können neue Abenteuer beginnen …

Heidi Glatz entdeckt „Die Frau mit dem Hund“ inmitten grenzenloser Hektik auf der Straße. Diese rüttelt sie wach, berührt sie, reißt sie heraus aus ihrer Unruhe und verschafft ihr Minuten der Stille und Umkehr. In „Rosa Wolken-Zeiten“ fordert sie die Zuhörer sprachlich wunderschön auf, sich in den Wolken rosiger Zeiten zu verlieren, denn diese „sind da und warten auf dich“. Im Gedicht „Ein Herz“ bittet sie darum, „Herzenswünsche zu erfüllen“, das Leben mit Herz zu leben und stets dankbar zu sein. In einer Traumreise trifft sie auf Berge voller Kraft und Energie, die Ehrfurcht gebieten, mit hohen Tannen, „die wie Soldaten dastehen“. „Was brauchen wir mehr zum Glücklichsein?“, ist ihre abschließende Frage.

Mit dem Aufruf zu einer positiven Weltsicht beendet Carmen Kraus den Abend – und schließt sich der Bitte mehrerer Lesenden an: „Vergiss das Träumen nicht!“ Ihr Dank an den Veranstalter erfreut Holger Enz sichtlich, und er möchte einen ähnlichen Abend gerne wiederholen. Mit einem netten Beisammensitzen aller endet diese außergewöhnliche Lesung.

Roland Greißl