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Im Schlaraffenland der Bücherwürmer


Dauerregen begleitete den Auftakt der Langen Kunstnacht in Landsberg, trotzdem fanden sich zahlreiche Besucher zwischen den Altstadtmauern ein. Ein kleines Häuflein hatte seine Schritte in die Buchhandlung Osiander am Hauptplatz gelenkt, Bücher in der Hand. Nanu, war das nicht wie Eulen nach Athen tragen? Nein, denn die kleinen Kostbarkeiten waren der ganze Schatz jener Autoren aus dem Landsberger Raum, die sich regelmäßig im Landsberger Autorenkreis treffen. Ihre letzte Anthologie stand im Schaufenster der Buchhandlung, doch auch die davor und danach erschienenen Bücher der Autoren waren lesenswert.

Kurz vor Beginn strömten an lokaler Literatur Interessierte dazu und nahmen auf gemütlichen Stühlen Platz. Verkaufsleiter Robert Reuter begrüßte seine Gäste auf und unterhalb der „Bühne“ und Moderatorin Heidenore Glatz knüpfte aufs Herzlichste im Namen des Autorenkreises daran an. Sie stellte das Kauferinger Kammertrio – Frau Dr. Anna Katharina Freifrau von Schnurbein und das Ehepaar Annegret Fischer-Fey und Michael Fey – vor, das zum vierten Mal die Kunstnacht-Lesung der Autoren begleitete, und machte sich ihren eigenen Reim auf das Erleben von Kunst.

Daraufhin lasen zwölf Autoren mehr als drei Stunden lang abwechselnd Kostproben aus dem eigenen Schaffen. Max Dietz richtete seine Gedanken an Georg Büchner und Karl Kraus, Renate Exsz verfolgte Spinnen und Schmetterlinge zwischen Altstadtmauern, Petra Hinterstößer schwelgte dankbar in Tagträumen, während Monika Hrastnik ins Warme und zum Junggesellenabschied einlud. Endlos Zeit für sanfte Erinnerungen brachte Carmen Kraus mit, Heinz Otto Singer ließ die Zuhörer an einer wunderbaren Wandlung im Badezimmerspiegel teilhaben und Gerwin Degmair entführte im Herbst in die waldtiefe Stille im Café Kuckucksei.

Inifrau von Rechenberg öffnete den breiten Fächer ihres Schaffens von äußerst gesellschaftskritischer bis zu mundartlich-zarter Poesie, gefolgt von ihrem Mann Benno von Rechenberg, der auch kein Blatt vor den Mund nahm. Reinhard Wendland vertiefte sich in einen Schachwettkampf und Heidenore Glatz forderte mit Naturgedichten im Jahreskreis zum Innehalten auf. Helmut Glatz aber machte etwas ganz anderes: Er setzte seinen Erzählhut auf und las mit vertauschten Rollen eine Szene aus „Knacke und Beisel“ und danach ein Mitmachgedicht, zu dem das Publikum das Echo beisteuerte.

Das Kammertrio, bislang auf Mozart eingestellt, trug dieses Mal verspielte Sonaten anderer Komponisten vor, und auch flottere Stücke waren dabei. Zeitweise bis zu 20 Besucher genossen die Mischung aus Literatur und Musik für eine Weile und zogen dann weiter, während andere hereinschauten. Mit der Liebesgeschichte eines Bücherwurms im Schlaraffenland, in der Fanta Sie traf, und einem kleinen lyrischen Lächeln schloss Moderatorin Heidenore Glatz den vielschichtigen Abend ab. Die beschwingte Stimmung schien sich auch aufs Wetter ausgewirkt zu haben, denn nur noch ein leichtes Nieseln begleitete Autoren und Zuhörer am Ende dieser Landsberger Kunstnacht nach Hause. Am Sonntag konnte das Gehörte und Gesehene dann noch ein bisschen in ihnen nachklingen.

Carmen Kraus