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Heiter-Skurriles aus dem Autorenkreis


„Optimisten leben länger“, titelte neulich die Presse. Und Autoren leben besonders lange, ist die Erfahrung im Landsberger Autorenkreis. Darf man daraus schließen, dass Autoren Optimisten sind? Für diese Autoren darf man das annehmen. Und so hatte Lore Kienzl unter dem Motto „Warum so ernst? – Es geht auch anders“ im 15. Jahr seines Bestehens ihre rund 40 schreibenden Freunde zur Jubiläumslesung ins „Deutsche Haus“ in Waal eingeladen und moderierte souverän den Abend.

Einige Autoren der Grundstein-Lesung am 1. Oktober 2004 waren gekommen: Helmut Glatz war da, der den offenen Kreis für Autoren ins Leben gerufen hatte und die erste Durststrecke stoisch mit seiner Frau Renate aussitzen musste; Klaus Wuchner, der ihn bestärkte dranzubleiben und zu einem weiteren Versuch motivierte; und Rudi Fichtl, der damals bereits ausnehmend gründlich Reime verknetet hat.

Zu den Anfangs-Lesungen trugen auch Roland Greißl und Martje Herzog-Grohmann schon bei, bald stieß Heidi Kjaer dazu. Lore Kienzl las zunächst nur Gedichte ihrer Schwester; Claire Guinin, Max Dietz, Carmen Kraus und Monika Bayerle kamen erst als Zuhörer in den Kreis, bevor auch sie sich als Schreibende zu erkennen gaben.

Später wurden noch weitere freudig begrüßt, die sich gleich familiär aufgehoben fühlten: Heidenore Glatz, Marianne Porsche-Rohrer, Angelika Müller, Monika Sadegor und Fred Fraas sowie neuerdings Heinz Otto Singer, Inifrau und Benno von Rechenberg, Tina und Dieter Vogel. Thomas Glatz, leiblicher Sohn des Gründers, blickt schon auf einige Kreativjahre im Kreis zurück, Hartfried Neunzert war gelegentlich als Gastleser dabei. Sie alle waren an diesem Abend anwesend, erzählten ihre kleinen Anekdoten zum Kreis oder lasen munter Selbstverfasstes.

Und was da alles aus dem Stoffersberger Geschichtentopf der ersten Stunde hervorquoll: das Lied vom Wortsalat am Bayertor, der neueste Pariser Chic in paradoxer Intervention, die Chimäre des Zweifels an Ritter Gurnemanz, linkshändige Rechthaberei beim Senfgurkenkauf, Liebeserklärungen im Dauerlauf, Heiterkeitsbomben und Unwortschmankerln vom Bräustüberl bis zur Bayertorschänke, kein Storchenbein am Buffet, dafür sockenfressende Löcher und Dehnübungen für baumelnde Seelen in Gedichtfilmen.

Besonders die Geschichte vom Konig, der seine Punkte suchte und sie samt Gleichgesinnten im Autorenkreis fand, erntete viel Beifall. Heidenore Glatz hatte sie auf ein Literaturprojekt von Helmut Glatz aufgepfropft und, angelehnt an die Ereignisse um die ersten Lesungen des Autorenkreises, mit reichlich Wortwitz gespickt.

Dann schwante einem von Watschelgängen ohne Rollator, und weit Niedrigeres als hohe Kunst quoll aus Spirographen. Während antike Mythen sich gebührend skurril mühten, gichtigen Wichten und vergänglicher Lust samt Matrosenschutzhosenthrombosen zu folgen, um schließlich vollumringt von den Erben explizit erwünscht leidend zu sterben, sorgte eine Elegie auf das Nichts beinahe für Entspannung, ebenso wie die weißen Flecken in der Wortefindewerkstatt.

Und selbst die wären längst wieder vergessen, gäbe es nicht ein Gedächtnisprotokoll nach Musenknutschen. – Das kommt also dabei heraus, wenn 18 freie Autoren ihre Fantasien unzensiert in kreative Wortformen gießen.

Manch einer erinnerte sich gerade hier in Waal wehmütig an Günter Bohn und ließ ihn in dessen Gedichten kurz wieder aufleben. Auch Otto Stedele und Ida Rittner, die Ehepaare Regele und Giebelhausen wurden sehr vermisst.

Monika Sadegor dankte dem Gründer Helmut Glatz mit einem üppigen Gartenblumenstrauß für seine Idee und deren Umsetzung, und analog zu Joseph Plauts „Leutnant von Zitzewitz“, der dem gefallenen Soldaten befahl, „sanft, sanft und noch einmal sanft“ zu ruhen, wünschte Organisator Max Dietz dem Landsberger Autorenkreis kurz und knapp: Er lebe lang, lang und noch einmal lang!

Und mit ihm Sigi Aldenhoff, der schon einige Lesungen musikalisch begleitet hatte, und auch diesen Abend mit jazzigen Instrumentalstücken und eigenen Liedern bereicherte. Ein Autor und Träumer, der seine auf den Punkt gefeilten Texte singt, weil er singen kann und damit nicht nur das Herz der Liebsten zum Tanzen bringt.

Carmen B. Kraus