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Lyrisches Festmahl mit Autoren aus Salzburg

Der Landsberger Autorenkreis hatte befreundete Autoren zu einem gemeinsamen Lesewochenende in die Lechstadt geladen. Moderator Boris Schneider aus Buchloe begrüßte die Zuhörer im Waitzinger Bräustüberl mit einem Zitat von Voltaire, nach dem das erste Gesetz der Freundschaft lautet, dass sie gepflegt werden muss, und das zweite: Sei nachsichtig, wenn das erste verletzt wird. Diese Nachsicht durfte denn auch gleich geübt werden, weil die ebenfalls eingeladenen Autoren vom Autorenkreis Allgäu kurzfristig absagen mussten.

Gemeinsam mit den Lyrikfreunden aus Salzburg wurde den Zuhörern ein lyrisches Festmahl serviert. Wie im Landsberger Autorenkreis üblich, wurde die Lesereihenfolge per Zufall durch Ziehen von Zetteln ermittelt, diesmal allerdings aus zwei „Hüten“ – einem mit Namen der einheimischen, einem mit jenen der Gastautoren –, so dass immer im Wechsel gelesen wurde, wobei die drei Salzburger zwei Mal an die Reihe kamen.

Für die Gäste startete Dr. Ernst Eliasch-Deuker, der auch die Salzburger Repräsentanz der Gesellschaft der Lyrikfreunde vertritt. Er hatte Kostproben aus seinem über 750 Gedichte umfassenden Werk mitgebracht, die teils humorvoll die Stimmung auf einem südländischen Markt beschrieben oder, wie in „Der Avantgardist“, die moderne Lyrik auf den Arm nahmen, andererseits aber auch düster (Nachtlied), poetisch (Andalusischer Sommermorgen) oder kritisch waren.

Georg Weigl, der schon über fünfzig Jahre in Salzburg lebt, setzte seiner Stadt gleich einige lyrische Denkmäler (Rom des Nordens); in „Hellbrunn, Park im Vorfrühling“ meinte man selbst über die Wege des barocken Lustschlosses zu flanieren. Darüber hinaus hatte er wortgewaltige Texte über den Frühling und zum Nachdenken anregende Aphorismen mitgebracht.

Valerie Pichler, die Dame aus Salzburg, kam infolge des Zufalls zuletzt an die Reihe. Sie trug sehr bewegende nachdenkliche und poetische Kurzgedichte vor, wie beispielsweise „An meine Mutter“, die sehr persönlich waren. Gemeinsam ist allen Salzburger Autoren eine bildgewaltige Sprache, die den Zuhörer forderte und zum Visualisieren des Erlauschten einlud.

Dazwischen trugen hiesige Autoren ihre Gedichte vor. Genannt in der Lesereihenfolge waren dies: Marianne Porsche-Rohrer mit gereimten Gesundheitsanweisungen aus ihrem Buch „Sebastian Kneipp heilt Seele und Leib“ und Carmen Kraus mit vier Gedichten zur Motivation für das Schreiben und die Geborgenheit des Einzelnen in der Vielfalt des Autorenkreises. Helmut Glatz startete mit einem humorvollen Frühlingsgedicht und ließ einen frischen Wind durch Landsberg wehen. Heidi Glatz reimte April’sche Wetterkapriolen, das Entspannen in der Natur und einzigartige Heimatgefühle. Anschließend pflückte Paul Wendland in „Der Lyriker“ Worte von den Bäumen, Aprilwald und Aprilstürme, ebenso auch „wortwörtliche Ansichten“ wie Schlagwort, Sprichwort und Fremdwort. Reinhard Wendland zeigte das Schreiben als kreativen Prozess auf, bei dem sich der Leser zum Richter berufen fühlt. Nach einem „Frühlingsabend in Hohenfurch“ schilderte er lyrisch eine Stadtführung durch Rothenburg. Hannelore Warreyn trug eine Vielzahl unterschiedlicher Kurzgedichte, unter anderem zu Romantik, Schnecken und Singen vor. Das literarische Festmahl wurde von Max Dietz beschlossen, der Texte aus seinem Projekt „Gegenreden“ vorstellte, in dem er eigene „Antwortgedichte“ auf Zeilen von Robert Gernhardt und anderen vortrug.

Insgesamt war es ein gehaltvoller und unterhaltsamer Abend, bei dem ausschließlich Gedichte zu Gehör gebracht wurden, ein wahrer lyrischer Festschmaus für Ohren und Seele.

Am darauffolgenden Morgen traf man sich in trauter Runde im Café FilmBühne zum literarischen Frühschoppen. In entspannter Atmosphäre wurde dort reihum gelesen. Beteiligt waren die Salzburger Valerie Pichler, Georg Weigl, Dr. Ernst Eliasch-Deuker, dann eine namentlich nicht bekannte Autorin, die spontan dazugestoßen war, und Helmut Glatz, Carmen Kraus, Boris Schneider, Reinhard Wendland, Klaus Wuchner, Thomas Glatz, Max Dietz und Hannelore Warreyn vom Landsberger Autorenkreis. Bis zur Mittagszeit wurden hier teils auch deutlich längere Texte aus Lyrik und Prosa zu Gehör gegeben. Von den literarischen Genüssen wechselte man schließlich zu den leiblichen und ließ bei einem saftigen bayerischen Schweinebraten das freundschaftliche Beisammensein ausklingen.

Dr. Boris Schneider

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