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Dankbar die Leichtigkeit im Schweren wiedergefunden

Das vorgeschlagene Thema hatte 15 Leser angespornt, ihre Gedanken vor den Autorenfreunden und interessierten Zuhörern auszubreiten. „Demut und Dankbarkeit, ja, aber wie passten die Schmetterlinge in diese Aufzählung?“, fragte eine Stimme gleich zu Anfang. „Das zu ergründen, dazu sind wir heute da“, entgegnete lächelnd Petra Hinterstößer, die an diesem Abend ihr Moderationsdebüt gab.

Einen gelungenen Auftakt bot Roland Greißl mit seinem Gedicht „Leuchtende Augen“, in dem er liebevoll die Metamorphose eines Zauber-Eis beschrieb. Unter kritischer Beobachtung entwickelte sich dabei die winzige schwarz-stachelige, mitunter ungeduldig nesselfressende Raupe zu einem erstaunlich schönen Schmetterling – eine Botschaft des Lebens im Kommen, Sein und Vergehen.

Demut, Dankbarkeit und Schmetterlinge vereinte Carmen Kraus zu einer perfekten Symbiose in gekonnten Reimen und wies darauf hin, dass trotz Überfluss, Leichtigkeit und gelegentlichem Seitenwechsel nichts auf der Welt selbstverständlich ist. Im zweiten Gedicht teilte sie mit dem Dalai Lama die Sorge um unsere Mutter Erde, von der Milliarden Menschen wie kleine Kinder nehmen, aber noch viel zu wenige etwas zurückgeben.

Bewegend, berührend und in stiller Dankbarkeit beschrieb Reinhard Wendland den dramatischen Lebenskampf, als das Glück einer jungen Familie nach der Geburt eines Kindes zu zerbrechen drohte. Ein einziger entscheidender Moment gab Anlass zur inneren Neuordnung dessen, was wirklich wichtig ist, und so fand es nach langer Zerreißprobe doch noch ein gutes Ende.

Lore Kienzl verarbeitete die drei Worte in zwei Texten: In „Dankbarkeit und Demut“ beschrieb sie ungeschminkt und treffend den Egoismus der Welt, im zweiten Gedicht ließ sie ihre Sehnsucht beschwingt mit Hummeln und einem Schmetterling durch eine bunte Sommerblumenwiese tanzen, bis der Herbst sie sanft zur Ruhe bettete.

Die Geschichte eines geschiedenen Ehepaares, wie sie das Leben schreibt, erzählte anschaulich Monika Sadegor: ihr Älterwerden, schöne Erinnerungen und gesundheitliche Beschwerden, Betrug und Reue, das Sich-Verlieren und das Wiederfinden. Auch wenn die Schmetterlinge längst aus dem Bauch der Verliebten weggeflogen sind, können sie als Schmetterlinge der Freundschaft wiederkehren.

Heinz Otto Singer verhalf einem Sozialempfänger zu großem Wohlstand. Als Antiquitätensammler begab der sich auf Reisen in ferne Länder, um wertvolle Raritäten zu erstehen. Ganz im Gegensatz zu den Hörern im Café FilmBühne fand er es gar nicht lustig, als ihn der Alltag jäh zurückholte. Zwar stellte er fest, dass es auf der Welt Schlimmeres gibt, empfand dennoch „die Niedertracht perfekt, wenn man aus einem schönen Traum geweckt“.

Im „Lebensrhythmus“ von Heidenore Glatz läuft nicht immer alles glatt, ja manchmal läuft sogar das sprichwörtliche Fass über. Genau dieser sei aber der richtige Zeitpunkt für positive Gedanken, Hoffnung und Zuversicht, Selbstvertrauen, Kampfgeist und vor allem Geduld, um dem ganzheitlichen Leben neue Kraft zu geben – luftig einflatternde Überraschungsmomente sorgten darin für kleine Freuden.

Warum gibt es nicht mehr so viele Schmetterlinge? Marianne Porsche-Rohrer antwortete in ihren Reimen: weil sie nur ganz bestimmte Blüten bestäuben können oder aber im Smog der Stadt verkümmern. Ihr Gedicht „Der Hopfen“ erklärte zahlreiche Varianten des Allrounders, der besonders in flüssiger Form eher genippt als gekippt werden sollte, in „Ruhe“ motivierte sie dazu, in der Hektik des Alltags mal einen Gang zurückzuschalten und die Seele baumeln zu lassen.

Sandro Wirth machte sich viele tiefgründige Gedanken in leichten Versen, so wünschte er seiner Tochter zur Konfirmation Dankbarkeit im Gebet, Freude und ewiges Lachen. Seine weiteren Gedichte sprachen von Selbstzweifel, Herzensschwere und Sehnsucht, er mahnte vor Vorurteilen und Oberflächlichkeiten, nichts zu bereuen und mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Erlebnislyrik vom Feinsten präsentierte Paul Wendland, gab „Empfindungsimpulse aus der Schule des Lebens“, beschrieb jugendliche Arroganz und Dünkel bis zur weisen Erkenntnis des Alters, dass man eigentlich gar nichts weiß. „Wortschöpfungen in der Morgendämmerung des menschlichen Bewusstseins“ gaben eine Ahnung von der Existenz einer höheren Macht, und in „Worte des Dankes“ rief er lyrisch wortgewaltig zu besonnener Bodenständigkeit auf, um danach in Gezeiten menschlicher Existenz die Erfüllung im Glauben von Sein und Vergehen zu offenbaren.

Gastleserin Jutta Baltes brachte uns aus ihrem Blog die sensible Geschichte vom vergnügten blauen Huhn mit, das schließlich im Garten einen Platz unter dem roten Sonnenschirm fand. Stillstand. Sitzen. Hunderunde. Sich treiben lassend von dem Gefährten an der Leine und mit vielen Alltagsgedanken im Kopf, finden beide schließlich den Platz der Plätze – zur Freude für den Hund und zur Entspannung fürs Frauchen.

Inifrau von Rechenberg scheute sich nicht, das Grauen zu thematisieren. Sie schrieb über Krieg und Gewalt und von den Leibern getöteter Menschen, an denen sich Totenkopfschmetterlinge laben, um den Fortbestand ihrer eigenen Art zu sichern. In „Wasser des Lebens“ verdeutlicht sie eindrücklich die Schwere und Tragkraft von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in solchen Zeiten. „Heimkehr“ beschreibt dagegen den hoffnungsvollen Weg voll Dankbarkeit und Liebe eines Kriegsgefangenen zurück ins Leben.

Selbst hinterm Kuhschwanz aufgewachsen, schilderte Klaus Köhler eine weitere Kindheitsepisode. Bendix, Kuhhirte und Held der Geschichte, konnte mit ausgesuchten Kräutern Kuh Friedas Lippenherpes heilen und verdiente sich für seine Mühe vom Bauern Respekt und ein paar Mark Taschengeld. So sehr freundete er sich mit Frieda an, dass sie ihn muhend daran erinnerte, trotz seines spannenden Buches auch ab und an nach den Kühen auf der Weide zu schauen.

Demut und Dankbarkeit gaben Theresa Schermer Anlass zu tiefschürfenden, ehrlichen Gedanken ihrer Umgebung und sich selbst gegenüber. Bunte Schmetterlinge fanden sich als einzigartige Vielfalt der Natur wieder oder kribbelnd im Bauch ihrer sommerlich-luftigen Liebesgeschichte um Carlos – den italienischen Charmeur, dem die Protagonistin trotz anfänglicher Gegenwehr erlag, sodass sie ihn nach nur einem Jahr schon heiratete.

In der Leichtigkeit des Seins erfreute Rudi Fichtl zum Abschluss des Abends mit drei köstlich gereimten Gedichten. „Der Bademeister“ und dessen Arbeitsmoral bescherte den Zuhörern eine lustige wortwitzige Abkühlung, noch getoppt durch „Partielle Minderbegabung“, die Gedanken des gelangweilten Seebadegastes Bruno. Mancher kam dabei vor Lachen wieder ins Schwitzen und spendete kurz danach auch dem in geschickten ABC-Reim verpackten „Multitalent Arnd“ großen Applaus.

So fesselnd war die Abfolge der Beiträge, dass weder Moderatorin noch Zuhörerschaft die Pause vermissten und die gesparte Zeit im Anschluss an die Lesung für einen regen Austausch in kleinen Grüppchen genutzt wurde. Gespannt blicken die Landsberger Autoren ihrer Südlesung in Altenstadt entgegen, was sich diese bunte Runde zum Thema „Lachen verboten!?“ wohl ausdenkt, das Marianne Porsche-Rohrer schon angekündigt hat. Wer es wissen will, darf sich am 7. Juli gern überraschen lassen.

Petra Hinterstößer