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M-lastige Buchstabensuppe


Moderatorin Monika Hrastnik stimmte die Menschenansammlung mit einem M-Gedicht auf das Thema ein: Aus dem großen Fundus der Buchstabensuppe sollten vor allem Stichworte mit M herausgefischt werden.

So stellte Monika Sadegor die afrikanische Mutter der Märchen, die Mazanendaba, in einer Geschichte vor, in der Wasserbüffel, Eulen und Delphine in alten Erinnerungen kramten. Max Dietz huldigte jeder Muse einzeln, ließ transzendente Mächte Schabernack treiben, den Hippocampus heranschweben, dehnte mit Dali die Uhr und vermochte am Ende selbst nicht mehr Dichtung von Wahrheit zu trennen.

Theresa Schermer gab eine unromantische Romanze um Marian zum Besten, bei der dem Protagonisten ebenso wie dem Zuhörer graute vor der unwürdig Verkommenen, die ein Schicksalsschlag hervorgebracht hatte. Mit einem kurzen Gedicht zur Malerei versuchte Monika Hrastnik dann das Auge des Betrachters wieder ins Märchenland zu lenken, bevor Fred Fraas mit einer kritischen Monsterbacke-Ballade den Moloch modernen Lebens aufzeigte, wo Besitz viel öfter Lebenszweck ist als menschliche Bemühung.

Claire Guinin bot eine reizende Persiflage auf das alleinstehende M dar, indem sie es kurzerhand an den Anfang stellte und damit ein Malphabet kreierte, das die mezzoforte Verwendung von Meterkerze und Mysterium mit Mumm propagierte. Danach brauchten die Zuhörer erst mal eine Pause.

Das war gut, denn Klaus Köhler legte los: Manche meinen, man müsse mit Malzbiermaßen müde Mauken mobiler machen – wobei er die norddeutschen Mauken erst auf bayerische Füße stellen musste. Nach einer ganzen Salve solcher Sätze war die Konzentration eigentlich schnell erschöpft, doch dann kam Gerwin Degmair, und beim Stichwort Minne horchte man doch auf: In Melodien von Poesie und Magie ließ er Empathie aufkeimen, verwirrte die Sinne zu des Herzens Gewinne und umschrieb so das wunderbare Klangwort der Liebe zu Ritterszeiten.

Carmen Kraus war in ihrem Werk bei der Suche nach Mut auf die Mutter gestoßen, die wohlmeinend mitleidet und bis zur Selbstaufgabe liebt, um ihrem Kind ein unerschütterliches Selbstbild zu erschaffen. Mit brillanten Wortschöpfungen trug dann Thomas Glatz aus seinem Miniroman pointierte Aussagen zu dem in capuccinobeige und basmatiweiß gekleideten Herrn M in Mindelheim-Windelheim vor.

Gastleser Sandro Wirth aus Kaufering gab sein Debüt im Autorenkreis mit einer ganzen Reihe von Gedichten um Memory, Müde, Manchmal, Muse, Mensch, Mann und Mond; wer von diesen zum Schluss des Weckers Klingeln mit einem Kuss beendete, sei hier nicht verraten.

Moderatorin Monika Hrastnik machte noch einen musikalischen Schlenker zur Moldau und beendete die Mußestunde der Muse mit munterer Miene. Man darf gespannt sein, was sich der Landsberger Autorenkreis bis zum „Literarischen Knospensprung“ am 22. März in der Kauferinger Bücherei wohl einfallen lässt.

Carmen Kraus