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Mit einem kurzweiligen Gedicht begrüßte die Moderatorin Monika Hrastnik die Zuhörer aus zwei äußerst aktiven Landsberger Kreisen: Mrs. Sporty und Autorenkreis. Mit dem Synonymwörterbuch in der Hand war sie schnell darauf gekommen,

dass die Kraft, die dich bewegt,
oft auch schnell zu Ende geht.
Doch holst du dir erneut dann Schwung,
dreht sich die Sache wieder um:
Fängst mit Elan was Neues an,
was nur mit Pep gelingen kann. -
Und, habt ihr´s alle mitgekriegt,
wie ich die Power hier umschrieb?
So kann man auch mit andren Wörtern
Leistungskraft zu Tage fördern.

Um Leistung und Kraft geht es sonst auch bei Mrs. Sporty Landsberg, doch heute hatte Holger Enz sein Fitnessstudio kurzerhand zum „Café“ umgebaut: Auf kleinen Tischchen züngelten Teelichte gemütliche Stimmung heran, Zitronenwasser und Salzstangen trugen ein Übriges dazu bei. Und kaum hatte er seiner Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck verliehen, wurde auch schon der erste Name „aus dem Hut“ gezogen:

Das Los bestimmte Corinne Haberl zur ersten Lesenden. Annie Rock, ihr vergnügtes Alter Ego, hatte schon mal eine Dankeshymne verdient dafür, dass sie noch da ist, obwohl das Leben ihr so viele Fallen gestellt hat. Und auch wie Frau sich gegen Behörden und sonstige Obrigkeiten durchsetzt, musste mal gesagt werden.

„Mir geht es gut, nur einer halt, der hat es furchtbar schwer“, wenn die Power-Frau Heidi Kjaer mal die Küche kalt lässt, weil sie zur Selbstverwirklichung durchstartet. Und auch wenn man sich darüber aufregt: „’s hood noo nia nix gnutzt, dees hitzig Bluad“, weiß die geborene Hohenpeißenbergerin.

Carmen Kraus fragt sich, was sie denn sucht, die Unstete, die so viele Strategien ausprobiert, um Ablenkung in ihr Dasein zu bringen, dass sie sich im Dschungel ihrer Leidenschaften erdrückt fühlt. Bis sie schließlich als „rote Squaw“ in ihrem Wigwam zur Ruhe kommt und ihr Leben bewusst an den roten Faden der Ahnen anknüpft.

Die vielen Gedanken führten in der Pause zu bewegten Gesprächen, und ausliegende Bücher der Autoren luden zum Stöbern ein.

Mit ihren besonderen Kräuter-, Tee- und Gesundheitsgedichten unterhielt Marianne Porsche-Rohrer die Runde. Wenn Tante Käthe vor Onkel Fritzens Ausdünstungen flieht, nach Wermuttee die vormals Appetitlose plötzlich „ganz einfach nicht mehr satt“ zu kriegen ist und der Scheich das Henna-Painting auf Suleikas verschleiertem Po erstrebt, werden die Lachmuskeln der Zuhörer trainiert.

Derweil ließ Wigand Lange in einem Limerick so lange die Zeit umgehen, bis sie sich selbst ein Ei legte. Um dann wieder in jene Lieblingszeit abzutauchen, in der Lady Mary Montagu die Pockenimpfung von Persien nach Europa brachte und ihre „Briefe aus dem Orient“ schrieb. Als „Kämpferin gegen die Verdummung der Frau“ stellte sie sich im ausgehenden 17. Jahrhundert sogar dem Bischof von Salesbury in den Weg.

Doch auch Max Dietz, der zweite Autorenmann am Start, hatte wohlwollende Worte für die Damenwelt dabei. In „Verzögerte Versöhnung“ baute er zwar ein spannendes Szenario mit durchaus explosivem Potential über die Meinungsverschiedenheit in einer Ehe auf – die den Mann doch glatt mal seine Contenance vergessen ließ –, um es jedoch in einem Überraschungsmoment für alle Seiten entgegenkommend zu lösen. Chapeau!

Angelika Müller bindet geknickte Blumen an, und ist doch selbst geknickt, bis sie zugeben muss, dass sie an manchen Tagen sich selbst ein Feind ist. Doch es gibt auch andere Zeiten, in denen sie Ottos Liebesmühen für seine Kanariendame detailreich beobachtet, den eigenen Faltenreichtum an jenem eines edlen Plisseevorhangs misst, und sich schon auf ferne Tage in Runzeln freut, wenn sie „schön verblühen“ und herrlich vergesslich sein darf.

Womit konnte Boris Schneider diesen Einfallsreichtum toppen? Nun, er konnte. In der Meistererzählung von einem unfehlbaren Liebestrank scheuchte er den Protagonisten bei Vollmond durch Kräuterbeete, ließ ihn unaussprechliche Zutaten auf abenteuerliche Weise besorgen, um ihm dann bei einer Tasse Tee verschmitzt klarzumachen, dass er den Ränken einer Frau aufgesessen ist.

„Im neuen Jahr wird alles besser“, beteuerte Heidi Glatz, doch aß ihre Power-Frau schon gleich beim ersten Buffet auch die „Kalorientierchen“ mit, fand keine Zeit für Fasten-, Reis- und Sporttage, ja noch nicht einmal für einen täglichen Spaziergang. Und weil sie beim Gatten auch schon „Frühlingsrollen“ feststellte, die „von den Hüften verschwinden sollen“, wurde schließlich in einem gemeinsamen Erlebnis tatsächlich doch noch alles besser.

Moderatorin Monika Hrastnik brachte zum Abschluss einen kraftvollen Lebensüberblick:

Die erste Zeit sorgst du für Power bei den Eltern,
wenn du Nächte hindurch krakeelst.
Dann fordert die Schule deine ganze Kraft,
die du ihr gar nicht geben magst.
Die Jugend selbst ist Power genug,
alles andere wäre Selbstbetrug.
Alsbald kommen Freund, Heirat, Kind,
und das Gedicht wieder von vorne beginnt:
Die erste Zeit … usw.

Im Alter, da wird die Power flauer –
sei nicht sauer!

Nicht sauer, sondern vor allem lustig wird es auch beim nächsten Treffen des Landsberger Autorenkreises, das Organisator Max Dietz gleich ankündigte: Am 6. Februar findet die Faschingslesung statt. Moderatorin Heidi Glatz, bekannt auch aus dem „Erzählcafé“ am Dienstagnachmittag, erwartet die schreibfreudigen Autoren wieder zu einem kurzweiligen Abend. Schauen Sie herein!

Carmen Kraus