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Literarischer Herbst

Der Sommer hat sich längst verabschiedet, und ein wunderbar farbiger, leuchtender Herbst mit frostigen Nächten und erstem Schnee hat begonnen. Dies schien das unausgesprochene Motto einer vielseitigen Freien Lesung des Landsberger Autorenkreises gewesen zu sein. Prosa und Lyrik, Ernstes und Heiteres trugen die neun Autoren in durch Los gezogener Reihenfolge vor.

Dramatik und Lyrik mischten sich gekonnt in Klaus Wuchners Gedicht von einer erlebten Flugzeuglandung im Nebel. Anschließend blickte Paul Wendland aus Hohenfurch auf einen farbenfrohen Sommer in seiner Jugend im Weichselland zurück, Kornblumen und Roter Mohn ließen ihn in Erinnerungen schwelgen. Lore Kienzl, Bildhauerin und Lyrikerin aus dem Fuchstal, führte mit zwei kurzen Gedichten über Musik und Kunst bis zum Olymp und wurde mit einem launigen, gereimten Kommentar von Max Dietz wieder auf den Erdboden zurückgeholt. Ernst wurde es mit den eindrucksvollen Erinnerungen von Claire Guinin. Sie schilderte ihre Kindheit in München während der Bombennächte, ihre gefahrvolle Schulzeit und die vielen Ängste, die sie in dieser Zeit ausstand. Boris Schneider aus Buchloe erzählte die dramatische Geschichte eines kleinen Mädchens, das in der überfüllten U-Bahn sein erstes und heißgeliebtes Haustier, eine kleine weiße Maus, aus einem Käfig in der Menschenmenge verliert.


Neu im Kreis stellte sich die Siebenbürgerin Anne Kremer mit stimmungsvollen Gedichten über ihre „alte Heimat“ vor. Carmen Kraus widmete dem Herbst wunderbar lyrische, leise Gedichte, und Gerwin Degmair aus Utting befand in sehr pfiffigen Reimen, dass unter vielen Süchten die Liebessucht die heiterste sein könne. Zum Schluss las Helmut Glatz ein Märchen, das sich letztlich als fantasievoll veränderte Mär vom „Hans im Glück“ herausstellte.


Die Freien Lesungen sind, wie Moderator Glatz feststellte, Kernstück und Höhepunkt im Veranstaltungsjahr des Autorenkreises. Und so wie das bunte Herbstlaub zeigten sich auch die Beiträge der Autoren in bunter, lebendiger Vielfalt. Wie anregend dieser Abend war, lässt sich auch daran erkennen, dass ans Heimgehen so schnell keiner dachte.


Lore Kienzl