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Von verbuchselten Wechstaben und Ketterschwangl bi


Trotz der widrigen Wetterumstände fand sich eine illustre kleine Runde – teils maskiert, teils in zivil, aber interessiert und engagiert – zum Lesen und Zuhören im „Il Lago Di Garda“ ein. „Bunt Geschlängeltes wirbelt durch die Lüfte, kringelt sich unter das närrische Volk, das in gewitzelten Maskeraden über Erfundenes lacht …“, so begrüßte Moderatorin Heidenore Glatz ihre Gäste. Gekleidet in ein Hippiekostüm, wünschte sie sich eine Lesung „mit möglichst vielen gewitzelten, närrischen Worten – und lassen wir diese gemeinsam zu einer recht bunten Luftschlange werden!“ Und so geschah es …

Helmut Glatz eröffnete den Reigen der Lesenden mit einer „Abfallgeschichte“ oder auch einem „literarischen Resteessen“. Da lag plötzlich Holland gleich hinter Honsolgen, wo der Himmel abends in Streifen geschnitten und verkauft wird, damit er am Morgen immer wieder neu ist. Und die Fee Hustenschnupfenheiserkeit kommt durch eine Gedächtnislücke geschwebt. Hannelore Warreyn verbuchselte die Wechstaben, las Närrisches einfach rückwärts, erzählte vom letzten Fasching der Autoren und stellte die Behauptung auf, „den größten Unfug geben wir alle zum Besten“. Mit einer Faschingsreportage von der Prinzengarde „FC11 hoch 11“ schloss sie ihren Vortrag. Heidi Glatz berichtete nun von einem lustlos umgerührten Politikbrei und zollte anschließend in einem Gedicht den bunten Hippiezeiten der 70er Jahre Tribut, die alljährlich im Fasching wieder aufleben. Im Anschluss berichtete Monika Hrastnik von Gesprächen aus den Untiefen ihrer Handtasche und vom Hofgeflüster des Huhns Fräulein Kunigunde.

Musen

Anneliese Port Huber, als Gast in der Runde, las aus dem Leben ihres Vaters, dem eine Verwundung in Kriegstagen zum Glück gereichte. Gabriele Gerlach philosophierte über unbekannte Größen in der Mathematik, Promillesekunden der Gedanken, die Gehirnwindungen zu Sendern und Empfängern werden lassen. Daran anschließend mussten die Zuhörer ihr Gehirn defragmentieren, bevor sie einem Gespräch zwischen Mann und Frau vor der Glotze folgen konnten. Thomas Glatz begrüßte die Anwesenden in Ketterschwangl, wo ein Faschingsruf gesucht wurde. Ein Buchstabengewirr in teils starkem Dialekt folgte, und die Lacher waren garantiert – bis zum Ergebnis: „Ketterschwangl bibo bibo!“

behütet

Corinne Haberl ließ Wortgeflitze und Wortfetzen durch den Raum sausen, ohne und mit Bezug, und schloss mit einer deutsch-französischen Nonsens-Unterrichtsstunde: Sä mü me la plü, … rucolette, la salat … Carmen Kraus reimte Gelachtes, klärte das Publikum darüber auf, dass der winterliche Flockenwirbel das Gesicht des Windes sei und ließ auch den „Eckenhasser Hundertwasser“ nicht ungeschoren. Zum Schluss berichtete Helmut Glatz noch über diverses Schülerlatein, in dem ein Riese durch das Klassenzimmerfenster lugte und nach dem Weg nach Keufbauren fragte, und ließ schließlich das Publikum Kinderreime zu Ende dichten. Der Abend klang aus mit einem Unbekannten, den Heidi Glatz in der Menge einer Faschingsgesellschaft verlor, dann jedoch schnell wieder vergaß, um sich nur ja den Spaß am Fasching nicht zu vermiesen.

... beschuht

Zum Abschluss gab die Moderatorin den Zuhörern eine Anregung mit auf den Weg:

Wenn in unserm Alltag Fasching wär,
hätten wir Zeit zum Lustigsein.
Ach! Was wär doch unser Leben fein,
uns wie Luftschlangen hindurchzuschlängeln,
nie und nimmer etwas mehr zu bemängeln.
Würden uns freundlich die Hände reichen
und alles, was belastet, lächelnd streichen.“



Monika Hrastnik