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Was gab's nicht alles, was es sonst nicht gibt!

Reizvoll, unterhaltsam und sehr abwechslungsreich gestaltete sich diese Faschingslesung! Roland Greißl moderierte kurzweilig, als Prof. Dr. Wladimir Tausendfuß verkleidet, und konnte unter großem Beifall zwei längst fällige Ehrungen vornehmen: Claire Guinin erhielt die Goldene Spitze Zunge in Silber für ihre langjährigen, pointierten Kommentare und Joachim Giebelhausen das Goldene Blatt in Silber mit der dringenden Bitte, weiterhin seine hintersinnigen Nonsensgedichte und -texte zu produzieren.

Das Motto der Lesung „Wo die tumben Kellerasseln mit den dunklen Ketten rasseln“ war eine inspirierende Anregung zu gruseligen und lustigen Texten, die zum Teil Selbsterlebtes – zur Erheiterung aller – wiederaufleben ließ.

Welch erotisches Feuerwerk entzündete sich bei einem Faschingsball im Jenseits, auf dem Marlene Dietrich mit Ramses III. für Furore sorgte, Martin Luther mit Lucretia Borgia Walzer tanzte, gar Plato nicht von Madame Pompadour lassen konnte und der Autor selbst sich zu gerne mit Josephine Baker amüsieren wollte! Der Fantasie sind eben keine Grenzen gesetzt; so würde man auch lieber in Wien als in Hawaii sterben, selbst wenn dort die Schweine tanzten und Wörterschlangen sich durch die Stadt kringelten, ganz zu schweigen von Hexen, die eigentlich Prinzessinnen sein wollten.

Alle Zuhörer dieser Lesung verstanden plötzlich auch Latein, auch wenn sie es nie gelernt hatten, und das charmant in Englisch vorgetragene Märchen vom Rotkäppchen bereitete ebenfalls keine Sprachprobleme. Dass dann noch ein mehrsinniges Kreuzfahrtschiff mitten in der Wüste Afrikas im Hafen von Timbuktu vor Anker ging, verwunderte niemand mehr.

Diesen besonders gelungenen Abend gestalteten neben dem Moderator Roland Greißl die Autoren Max Dietz, Renate Exsz, Joachim Giebelhausen, Heidi Glatz, Helmut Glatz, Martje Herzog, Lore Kienzl, Carmen Kraus, Maria Sedlmayr und als Neuzugang Tatjana Bergmann.

Lore Kienzl