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Eine Woche voller Poesie


Als Bürgermeisterin Sigrid Knollmüller am Samstagabend die Lesung der fünf namhaften österreichischen Lyriker im Gasthof „Waitzinger Bräustüberl" eröffnete, verwies sie auf die Lyra. Dieses Musikinstrument, zugleich Zeichen für die Dichtkunst, war ein trefflich gewählter Begriff, der gleichsam als Rahmen das ganze Wochenende umspannte.

So findet sich dieses antike Saiteninstrument auch als Logo der „Gesellschaft der Lyrikfreunde" wieder. Ziel dieser den gesamten deutschen Sprachraum umfassenden Vereinigung ist es, das Interesse, das Verständnis und die Freude an guter Lyrik in breiten Bevölkerungsschichten zu wecken. Schon lange sind Salzburger und Landsberger Poeten über diese Gesellschaft von Lyrikfreunden zu echten Freunden geworden. So ist es nicht erstaunlich, dass die gegenseitigen Besuche, die schon seit mehreren Jahren stattfinden, einen der Höhepunkte im Veranstaltungsjahr des Landsberger Autorenkreises darstellen.

Dieses Jahr waren vier Salzburger und eine Wienerin in die Stadt am Lech gekommen, die, wie Bürgermeisterin Knollmüller betonte, schon immer sehr an Kultur in ihren Mauern interessiert war. Georg Weigl eröffnete den Lesereigen mit teilweise kritischen Gedichten, die Natur und Heimat zum Thema hatten. Mit pointierten Aphorismen brachte er die Zuhörer zum Nachdenken. Valerie Pichler trug Gedichte vor, in denen die Natur, oftmals der Baum, als Sinnbild für das Leben und den Menschen stand. In bewegenden Worten eröffnete sie dem Zuhörer neue Einblicke.

Ihr folgte Ernst Eliasch-Deuker, der Salzburger Repräsentant der Gesellschaft der Lyrikfreunde. Aus seinem über 600 Gedichte umfassenden Gesamtwerk trug er zwölf Gedichte vor, die er seit dem Jahr 2000 zu einem jährlichen Themenwettbewerb zeitgenössischer Gedichte eingesandt hatte. Diese zwölf Texte dokumentierten eindrücklich die Vielfalt und das virtuose Geschick des Österreichers im Umgang mit Worten.

Als vierter Autor trug Hans Günter Kastner Auszüge aus seinem Werk vor. Er begann mit nachdenklich- kritischer Lyrik voller Lebensweisheit. Mit satirischen Tiergedichten vom dummen Esel bis zum Tenniskrokodil bewies er, dass Lyrik auch humorvoll sein kann. Den Abschluss des abwechslungsreichen und unterhaltsamen Abends machte Christine Korntner. Die gebürtige Wienerin, die auch literarische Vorträge und Gastlesungen an Universitäten hält, bewies ihre Vielseitigkeit von abstrakter Lyrik über Limericks bis hin zu unterhaltsamen Kurzgeschichten. An ihr Rezept, wie man eine frischgebackene Ehefrau zubereitet, werden sich die Zuhörer sicher noch lange erinnern.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom Duo Traderne mit Iris Regele und Johannes Sift. In zum Teil selbst komponierten Stücken war auch hier der Bezug zur Lyra in Form der Musik klar gegeben.

Am Sonntagvormittag kamen dann auch die Landsberger Autoren zu Wort. Bei sonnigem Spätsommerwetter hatte man sich zu einem „Experiment" am Marienbrunnen getroffen: einer literarischen Stadtführung, bei der an den entsprechenden Stellen eigene Texte zu Landsberg und seinen Menschen vorgetragen wurden. Die Gäste kamen auf diese Weise schon vorab in den Genuss von Gedichten und Geschichten aus der neuen Anthologie des Landsberger Autorenkreises, „Literarisches Lechrauschen", die dieser Tage erschienen ist.

Als die österreichischen Gäste am Sonntag wieder die Heimreise antraten, war man sich einig, dass ein Wochenende voller Poesie zu Ende ging, ein Wochenende im Zeichen der Lyra. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Austausch auch im kommenden Jahr stattfinden soll, wenn die Landsberger Lyriker wieder zu einer Lesung ins Salzburger Literaturhaus eingeladen sind.

Dr. Boris Schneider