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Dichterlesung im Steintheater

Fünf Mitglieder des Autorenkreises Landsberg, Rena Geilich, Helmut Glatz, Lore Kienzl, Marianne Porsche-Rohrer und Hans Schütz, machten sich am 16. Juni auf den Weg nach Österreich. Sie waren eingeladen, im Literaturhaus der Stadt Salzburg unter dem Titel „Lyrischer Frühsommer“ aus ihren Werken zu lesen. Und so entfaltete sich im Saal dieser Kulturstätte unter der Leitung von Dr. Ernst Eliasch-Deuker ein beachtliches Programm, das beim fachkundigen Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen und immer wieder mit viel Applaus begleitet wurde.

Zum Gelingen des Abends trug aber auch die hervorragende musikalische Begleitung bei. Der Salzburger Pianist Christian Brauschke verstand es, die Wortbeiträge mit trefflich ausgewählten Stücken von Joseph Haydn, Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart zu umrahmen.
Im ersten Durchlauf las Lore Kienzl aus Asch aus ihren lyrischen Aufzeichnungen einfühlsame und berührende Gedichte zu den Themen Alter, Zeit und Musik. Der Landsberger Helmut Glatz meinte anschließend, es sei eigentlich eine Frechheit, den Salzburgern ein Gedicht über Salzburg vorzutragen, um dann doch eine lyrische Hommage an die Gastgeberstadt zum Besten zu geben, gefolgt von einem Gedicht über Zeit und Traum und einer Liebeserklärung an ein Ringelspiel. Mit Rena Geilich trat dann eine ausgebildete Märchenerzählerin ans Mikrofon und begeisterte mit einer professionell dargebrachten Geschichte über Nasreddin Hodscha und mit einem frischen Sommergedicht.

Beruf und Dichtkunst verband die Schongauer Apothekerin und Heilpraktikerin Marianne Porsche-Rohrer, als sie aus ihren lustigen und mit einem Augenzwinkern verfassten medizinischen Ratschlägen vortrug. Betont gesellschaftskritisch dagegen war dann der mahnende Schlusspunkt vor der Pause: Der Peitinger Hans Schütz legte dabei die Finger tief in die ökologischen Wunden der Zeit, beschäftigte sich mit den anklagenden Fragen kommender Generationen, mit dem Wandel der Jahreszeiten durch die Klimaveränderung sowie melancholischen Betrachtungen verschlammter Stauseen und verschmutzter Meeresstrände.

Im zweiten Teil des Abends ging es erneut mit Lore Kienzl und ihren gekonnt leichten, lyrischen Betrachtungen zu Sommerlachen, einem Gläschen Wein, der Kunst und dem Glück weiter. Ihr folgte Helmut Glatz, der sich zunächst hintergründig Gedanken machte, warum die Dinge so heißen, wie sie heißen, um dann die skurrile Geschichte von den Leben in seinen zehn Fingern zu erzählen. Rena Geilich hingegen widmete sich den Flüssen Nil, Salzach und Lech.
Den Spitzwegerich, die Kamille, Anis, Fenchel und zuletzt die Malve stellte Marianne Porsche-Rohrer in ihren segensreichen Wirkungen vor, ehe Hans Schütz abschließend noch einmal alle Register der Dichtkunst zog: Mit Mooren, Flüssen und dem Löwenzahn beschäftigten sich seine Texte, um zum Ende der Lesung mit satirischen Gedankenspielen beim Schreiben eines Salzburggedichtes aufzuwarten.

Anschließend setzte man sich noch zu einem intensiven Gedankenaustausch mit Zuhörern und Salzburger Autoren im Café des Literaturhauses zusammen.
Am Vormittag des nächsten Tages kam es dann zu einem weiteren literarischen Höhepunkt. Im Steintheater des Schlosses Hellbrunn bei Salzburg wurde eine Lesung abgehalten, bei der abwechselnd die fünf bayerischen Gäste und Vertreter der Salzburger Lyrikfreunde zum Zuge kamen. Dabei hielten die Autoren sich weitgehend an die durch den Leseort vorgegebene Situation und beschäftigten sich auf die unterschiedlichste Art mit den Themen Fels, Theater, Stein und Kiesel. Diese Lesung war für die Abordnung des Landsberger Autorenkreises ein ganz besonderes Ereignis, ist das in den Konglomeratfelsen des Hellbrunner Schlossparks gehauene Steintheater doch der Ort, an dem im Jahre 1617 mit Claudio Monteverdis „L’Orfeo“ die erste Opernaufführung nördlich der Alpen stattgefunden hat.
Mit vielfältigen Eindrücken und einer Vertiefung der Beziehungen zu den Salzburger Literaten fuhr die Reisegruppe nach einem gemeinsamen Mittagessen wieder zurück an den heimatlichen Lech.

Hans Schütz