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Erste freie Lesung des Jahres mit 20 Autoren!

Nach den warmen Weihnachts- und Silvestertagen meinte der Januar es wirklich gut mit uns. Weiß puderte der Schnee die graue Landschaft an diesem ersten Lesefreitag des Jahres, und beflügelt von diesem Glanz fanden sich über 40 Literaturbegeisterte in dem neu gestalteten Saal des Gasthauses Siebentisch ein. Der Wirt hatte zwei lange Tafeln, einen Bücher- und einen Lesetisch vorbereitet, und aus der Küche dampfte es köstlich in die Stube. Es konnte losgehen!

Als die Moderatorin des Abends, die dichtende Apothekerin Marianne Porsche-Rohrer aus Schongau, die zahlreichen Gäste begrüßte, ahnte man noch nichts von der Vielfalt, die sich gleich für Körper, Geist und Seele einstellen würde. Wieder entschied das Los über die Reihenfolge – und wieder fügte sich diese in beeindruckender Weise harmonisch zusammen.

Günter Bohn hatte die Losnummer 1 gezogen und eröffnete mit einem liebevollen Gedicht, ja einer Ode „an dich“, um dann eine Laus vom Blatt singen zu lassen. Aus Kaufering kam Monika Hrastnik, die bereits mehrere Gedichte geschrieben, aber nun zum ersten Mal etwas vorgetragen hat, einen „Traum vom blauen Meer“ und den sandig-nassen letzten Ausflug eines „Samsung“. Auch Inge Just aus dem Fuchstal war neu in der Runde. Nachdenklich fragte sie „Was sind Jahre?“ und fand die Antwort im „Buch des Lebens“ und die nötige Zeit, noch ein Mundartgedicht über Letztere anzuschließen.

Helmut Glatz hat seinen zahlreichen Büchern ein weiteres hinzugefügt: Radibutz im Hut, ein Erziehungsratgeber für Kinder von 3 bis 99 Jahren, aus dem er das kurzweilige Kapitel vom Auftauchen eines Findelkindes las. Martje Herzog-Grohmann hielt die Zeit an, um sich ganz der Anmut des Vogeltreibens im heimischen Garten hinzugeben. Verträumt lauschten die Zuhörer ihren detailreich wiedergegebenen Beobachtungen. In der Natur blieb auch Klaus Köhler, wenngleich er den Ort wechselte, hoch in den Norden, an seinen heimischen Plöner See, der die „Form des Erdteils Afrika“ hat, mit der Prinzeninsel, wo selbst Prinzen die Landwirtschaft erlernten. In den folgenden Stanzen wurde eine Wasserratte zum Rettungsschwimmer und letztendlich zum Autorenkreisler.

Angelika Müller dichtete über Menschen, die „gleichgetaktet“ „einer des anderen Regenbogen“ werden und trug ein „Meer der Wünsche“ vor. Das durfte sie auch, denn wie es sich herausstellte, hatte sie just an diesem Tag Geburtstag. Ein paar Wünsche gingen denn auch sichtbar in Erfüllung, denn Ehemann und Tochter hatten sie begleitet und alle Anwesenden spendeten ihren Gedichten ebenso wie den Glückwünschen reichlich Beifall. Roland Greißl hatte agile „Gedankensprünge“ im Gepäck, räsonierte über „Wunschdenken, Gedanken- und Seelenruhe“ und versank zum Schluss in „Wunschgedankenwelten“. Die Moderatorin beschrieb denn auch das Gedicht als wahres „Gedankenfitnessstudio“. Schließlich nahm Claire Guinin den Platz hinter dem Lesepult ein. Viel zu bescheiden stand sie da, sie, die anfangs nur als Zuhörerin zum Autorenkreis gekommen war und sich deswegen den Orden „Eisernes Ohr am goldenen Bande“ wünscht. Inzwischen schreibt sie selbst, stellt fest: „Die Zeit rast im Express an uns vorbei“ und „der Autorenkreis kreist weiter mit Erfolg“.

Lore Kienzl schlug gewohnt leise Töne an, dieses Mal über die kleinen und großen Rollen des Lebens, in denen wir allmählich lernen, das wahre Glück zu erleben – damit „der traurige Mond wieder lächeln kann“. Boris Schneider bot dazu mit seinem in unsere Zeit umgeschriebenen Märchen von der Prinzessin auf der Erbse ein atemberaubendes Kontrastprogramm: Kein Auge blieb trocken, als der Zukünftige zur Feststellung seiner männlichen Leidensfähigkeit dem Reißnageltest unterzogen wurde. Dann plätscherte der Lech dahin, in den Gedichten von Hans Schütz, die er aus seinem neuen Gedicht- und Bildband Lechliebe vorlas: über den „Lechweg“ geradewegs in die „Wessobrunner Stille“ und mit dem „Kiesellied“ in den Pfaffenwinkel. Wie Perlen reihten sich seine Wörter zu Reimen, auch in seiner Lechbrucker Mundart.

Katrin Gabriel, die Malerin vom Ammersee, hatte auch den Weg an den Lech gefunden – um eine herzzerreißende „Krieg und Frieden“-Geschichte von der lähmenden Angst und der Bedeutung des Friedens am Hindukusch vorzutragen. Julius Hermann, der Münchner Mathematiker, der seit Kurzem in Igling wohnt, hat sich neu hinzugesellt. Für ein Symposium in Dresden hatte er mal die Geschichte des Hofnarrs Paul Palap geschrieben und gab diese hier zum Besten. Aus zwei weiteren Büchern kredenzte er die Kostproben „Kurze Röcke“ und „Sklaven“ – Gedichte, die stilistisch wie inhaltlich beeindruckten und Lust auf mehr machen.

Joachim Giebelhausen kündigte eine vorgezogene Faschingslesung an: Ein spannendes Pferderennen hatte er auf die Waitzinger Wiese verlegt, es mit Persönlichkeiten aus Politik und Aristokratie gespickt, mit Pferdegetrampel vom Tonband untermalt und furios-humorvoll mit realistischen Spitzen auf aktuelle Begebenheiten kommentiert. Ein Genuss waren auch die Gedichte von Marianne Porsche-Rohrer. Dass auch ungesunde Sachen Eingang in ihr neues Buch Gute Gerüche aus der Naturheilküche fanden, bewies sie mit den Gedichten zu Marzipan, Sahnetorte und Toastbrot. Die sollte man ohne Reue auch mal zu sich nehmen – um nicht selbst ungenießbar zu werden. Paul Wendland kam wieder zur Jahreszeit zurück und trug zwei Kinder-Wintergedichte vor, von frierenden Bäumen, frostigen Winden und klaren Vollmondnächten, die Träume wahr werden lassen. Es menschelte, „maielte“ und „juleite“ in dem Gedicht vom Menschen und dem Kalenderjahr, von Monat zu Monat wurde aus jung alt und dann wieder die Umkehr.

Auch im Januar, aber am Krankenbett, war die Geschichte von Carmen Kraus verortet, in der Mutters „weiche Hände“ zum Streicheln kamen oder eine dampfende Hühnersuppe brachten. Anschließend naschte sie im Gedicht vom „Baum der Erkenntnis“ und verstand, wenn auch spät, dass auch ihre Kindheit ein Paradies war, das sie jedoch nie wieder wird betreten können. Gerwin Degmair hatte in altem Krempel gestöbert und das Gedicht eines seiner Vorfahren mitgebracht. Er entführte ins „Dichterzimmer“ – „frage nicht, doch hoffe immer“ – und schließlich ins Bad, wo er seine beißende Satire auf die Politik Griechenlands in Entsorgungsrinnsalen wegspülte. Heidi Glatz schloss den literarischen Reigen mit hauchzarter Lyrik ab. „Wieder Lachen“ hieß sie die Zuhörer und „Neues Glück“ erleben in diesem Jahr!

Dankend beendete die Moderatorin Marianne Porsche-Rohrer den langen, aber kurzweiligen Leseabend und wies auf die beiden nächsten Lesungen des Kreises hin: am 25. Januar und am 1. Februar.

Roland Greißl informierte dann noch über den neuesten Preisträger aus dem Autorenkreis:

Helmut Glatz hatte beim Irseer Pegasus den 3. Preis gewonnen. Das ist beeindruckend angesichts der Tatsache, dass sich dort Autoren aus dem gesamten deutschen Sprachraum, also über politische Grenzen hinweg, treffen.

Zwar in einem kleineren Rahmen, jedoch den 2. Preis hatte im Dezember Heidi Glatz erhalten beim Weihnachtsgeschichten-Wettbewerb auf Schloss Rudolfshausen. Mit den Friedensgeschichten-Siegern vom Frühjahr, Klaus Köhler und Roland Greißl, sind also innerhalb eines Jahres vier Aktive des Landsberger Autorenkreises ausgezeichnet worden. Das gibt Anlass zur Freude und zugleich Ansporn zu weiterem kreativem Schaffen in den kommenden Monaten.

Heidi Glatz und Carmen Kraus