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Natur und Liebe und das Geheimnis Frau - ein lyrisches Gesamtkunstwerk


Am Freitag, dem 2. März, war der Autorenkreis Allgäu zu Gast beim Landsberger Autorenkreis. Lyrik und kurze Geschichten erwarteten die Zuhörer, die die Gründerin des Autorenkreises, Ingeborg von Rumohr, kunstvoll zu einem nahtlos ineinandergreifenden Programm verwoben hatte.

Als die Gäste gegen 19:30 Uhr den Saal des Gasthofs Siebentisch betraten, hatten sich an der Stirnseite bereits alle sechs Autorinnen nebeneinander aufgereiht, am Rande flankiert von zwei Männern, die neben ihren Texten auch noch Musikinstrumente vor sich aufgebaut hatten.

Den Landsberger Zuhörern war da schon klar, dass es heute etwas anderes geben würde als bei den Lesungen des heimatlichen Autorenkreises. Der Buchloer Boris Schneider, der Mitglied in beiden Autorenkreisen ist, begrüßte die Gäste ganz herzlich, die sich zum ersten Mal in die Lechstadt gewagt hatten. Peter Würl bedankte sich im Namen der Allgäuer für die Einladung. Er hatte im vergangenen Jahr die Landsberger Autoren sowohl zu einer Lesung als auch zu einer selbst geführten Stadtbesichtigung nach Kaufbeuren gelockt. Ingeborg von Rumohr stellte die Arbeit des Autorenkreises Allgäu vor, der nunmehr bereits 22 Jahre existiert. Sie wies auch gleich darauf hin, dass es ein Markenzeichen des Kreises aus Kaufbeuren sei, bei Lesungen die Einzeltexte der verschiedenen Autoren aufeinander abzustimmen. Aus diesem Grund bat sie darum, zwischen den Stücken auf Applaus zu verzichten und sich diesen bis zum Ende aufzusparen.

Mit einem Trompetenstück eröffnete Hermann Schnitzinger den ersten Teil, in dem Natur das maßgebliche Thema stellte. Wie Perlen an einer Kette reihten sich insgesamt 40 Gedichte aneinander, nur ab und an von einem selbstkomponierten Saxophonstück von Siegfried Kyek unterbrochen. Es begann mit den Jahreszeiten und glitt über Heimat, die Rose bis hin zu den Weiten des unendlichen Meeres. Starke Konzentration wurde den Zuhörern abverlangt, um der Vielzahl der Eindrücke gerecht werden zu können. Aus allen Gedichten wob sich auf diese Weise ein poesievolles Gesamtkunstwerk, bei dem die Zuhörer ein ums andere Mal ihre Hände im Zaum halten mussten, um nicht in den während der Vortragsfolge unerwünschten Beifall auszubrechen. Dieser brach sich dann Bahn, als vor der Pause die Künstler vorgestellt wurden: Thessy Glonner, Maria Schmid und Hermann Schnitzinger aus Bad Wörishofen, Franziska Hefele und Siegfried Kyek aus Kaufbeuren, Ingeborg von Rumohr aus Pforzen, Isolde Unsin aus Biessenhofen und Peter Würl aus Obergünzburg.

Nach der Pause ging es dann etwas locker-humorvoller weiter, indem die Autoren mit einem Augenzwinkern jeder auf seine Weise dem Geheimnis Frau nachspürten. Im Anschluss wurde das Thema Liebe in vielen verschiedenen Facetten beleuchtet. Am Ende schloss Hermann Schnitzinger mit Frank Sinatras „My Way“ auf der Trompete die Lesung ab.

„Ihr habt eine Lesung auf eure Art gemacht“, fasste Boris Schneider schließlich zusammen, „und es war gut!“ Diese besondere Art einer minutiös aufeinander abgestimmten Reihenfolge unterschiedlicher Texte und Musikstücke bildete in ihrer Einheit eine Art lyrisches Gesamtkunstwerk.

Im Anschluss wurde noch in geselliger Runde über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Autorenkreise und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Vortragsstile diskutiert. Zusammenfassend kann man feststellen, dass durch einen gelungenen Abend und die gemeinsame Freude an unserer Sprache die Freundschaft beider Kreise vertieft wurde.

Dr. Boris Schneider

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