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Urheidnisches mit fraglichen Entwicklungen


Trotz Kälte, zwischenzeitlichem Schneefall und Eisesglätte auf den Straßen in und um Landsberg, haben es sich zahlreiche Autoren und Zuhörer nicht nehmen lassen, in vorherigen Gesprächen schon gelockerter, ja fast humoriger Atmosphäre, dieser letzten Lesung des Jahres 2017 beizuwohnen.
Zur Einführung lädt der Moderator, Reinhard Wendland, in unser jahreszeitentsprechend beliebtes Thema „Advent“ lustwandelnd ein und lässt wie immer die Lesewilligen per Losentscheid an die Reihe kommen.
Fred Fraas hatte wohl geglaubt, als Erstvortragender mit „Advent, Advent“ die Anwesenden mit dem in Verse gehämmerten Bericht über den gutgemeinten, aber total misslungenen Advents-Kaffeeklatsch bei Muttern schocken zu können. Entsetzlich, was sich da aus Keksen, Glühwein und stark alkoholhaltiger Bowle entwickelte. Und was wird wohl aus dieser Frauenfreundschaft geworden sein?
Monika Sadegor treibt mit ihrem „Advent“ plus Fragezeichen, die ständig schwangeren Kühe mit ihren Rieseneutern durch die zubetonierte, sterbende Natur auf die Autobahnen der Gesellschaft, in der die Menschheit in „Was geht’s uns an“-Mentalität, ihre „stade“ Adventszeit über sich ergehen lässt.
Max Dietz‘ Weihnachtsgeschichte dann lässt alle möglichen Berühmtheiten der Geschichte an der Krippe erscheinen und mitfeiern, und ein wahres Karussell von Nikolaus und dessen Putzfrau dreht singend vorbei. Unsere mitleidende Teilhabe an der im Internet gepflegten Weihnachtsbotschaft ist gesichert wie jene an den überlieferten Gebräuchen in den Raunächten.
Martje Herzog-Grohmann huldigt mit ihrem „Wintergedicht“ eben dieser winterlichen Stille trotz tiefsten Schneegestöbers und dem Lichterzauber in blauer Dämmerung.
Die Autorin Heidenore Glatz und ihre Weihnachtsgeschichten lassen uns in das von Winterweihnachtsflocken verzauberte Laternenlicht hineinträumen, in der das Flüstern von Liebe der Botschaft Jesu zu vernehmen ist. Fester Glaube an die Weihnachtsbotschaft, meint sie, lässt in Träumen durchaus auch einmal das Christkind sehen, um ihm die Hand zu schütteln, bevor es zu den Ärmsten der Armen dieser Welt hinausfliegt, sie segnend zu beschenken.
Reinhard Wendlands „Adventslichter“ halten Nachdenkliches über den Ursprung christlicher Kultur bereit: Urheidnisches Denken wurde vom christlichen Glauben abgelöst, und ist trotzdem noch immer in vielen Bräuchen enthalten. So ist wohl auch das „Adventsgeheimnis“ in unseren dunklen Dezember gekommen, aber jeder darf dies selbstverständlich in des eigenen Lichtes Erkenntnis sehen.
Lore Kienzl lässt an einem „Augen-Blick im Advent“ teilhaben. Da wird trotz hochgeschlagenen Mantelkragens auf der Straße der Blick eines Vorübergehenden erhascht. Und trotz kurzen Abwägens wird er, letztlich wohlwollend gelassen, in den Tag mitgenommen.
Petra Hinterstößer bringt zwei Mal sinnfreie Kurzgedichte zur Melodie von „Kling, Glöckchen, kling“ zu Vortrag: So lässt der „Nikolausi-lausi-laus“ angefressen viel vergessen, war aber immer artig. Und der Nussknacker „Knack, Nüsschen knack“ geht nicht vom Acker, bleibt aber herrlich knackig. Wow!
Gerwin Degmair hat „ein fein Adventsgedicht“ geschrieben, von falscher Noblesse voller Tristesse. Seine Weihnachtsfragen drehen sich darum, ob der Welt wohl Frieden statt Krieg zu teuer sei, und enden mit dem Wunsch an alle: „So sei von Herzen dir beschieden: Weihnachtsfrieden!“
An den Tischen des Landsberger Autorenkreises und seiner Zuhörer drehen derweil die liebevoll gebastelten Adventslichtkarusselle des Cafés FilmBühne ihre leuchtenden Runden, bevor man sich fröhlich-gesetzt in die kalte, flockenreiche Winternacht verabschiedet. Es weihnachtet (in) uns allen!

Fred Fraas