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Ruht Jesus in Srinagar?

Der große Raum im Gasthaus Siebentisch war festlich geschmückt, als die Autoren und Zuhörer des Landsberger Autorenkreises eintrafen. Nach kurzem stillem Gedenken an Herbert Regele las dessen Sohn Ulrich Regele treffend ausgewählte Texte des „Meisters der goldenen Worte“, wie Moderator Roland Greißl den Verstorbenen nannte. Fast andächtig lauschte das Publikum einem seiner unveröffentlichten Gedichte, in dem er, den nahen Tod fast wie einen Freund begrüßend, sich von einem warmen verlöschenden Licht umgeben sah.

Besinnliches stand auch bei der Vorstellung des Büchleins „Ich bin noch da“ von Heidenore Glatz im Vordergrund. Die Besonderheit dabei ist, dass es aus der Sicht betroffener Demenzkranker geschrieben ist. Sie wollen aufgefangen werden, wünschen den Blick in die Augen, weil diese der Spiegel ihrer Seele sind, und vor allem: Sie nehmen unendlich viel mehr wahr, als es Außenstehende vermuten würden.

Moderator Greißl überraschte anschließend viele der Anwesenden mit Zitaten aus dem Koran, die die Problematik des Weihnachtsfestes für Muslime belegen. Im Koran gibt es nur einen einzigen Gott, keinen Sohn Gottes, keinen Heiligen Geist. „Dass er Kinder habe“, sei „das Gerede der Ungläubigen“. Ferner würden diese Maria „ungeheuerlich verleumden“, wenn sie ihr mit Jesus ein uneheliches Kind unterstellen würden. Und letztlich hätten sie Jesus, der für sie ein Prophet unter vielen ist, „nicht getötet, nicht gekreuzigt“, sondern Gott habe ihn errettet und zu sich erhoben. Der Moderator zeigte auch ein Foto des Schreins „Roza Bal“ in Srinagar (Kaschmir), in dem nach Meinung vieler Buddhisten, Hinduisten und Moslems der Leichnam des Propheten Jesus bestattet sei. Weihnachten als Fest der Geburt des Gottessohnes Jesus sei daher für die Anhänger des Islam nicht nachvollziehbar.

Im Anschluss an diese drei Programmpunkte lasen noch zehn weitere Autoren: Günter Bohn, Gerwin Degmair, Renate Exsz, Joachim Giebelhausen, Claire Guinin, Heidi Kjaer, Klaus Köhler, Carmen Kraus, Angelika Müller und Marianne Porsche-Rohrer. Ihre Texte befassten sich heiter, besinnlich, kritisch und nachdenklich mit der „staden Zeit“ oder dem Rummel um das Weihnachtsfest. Gedichte und Geschichten, in Mundart und Hochdeutsch, bildeten ein bunt gemischtes Potpourri, bei dem das Publikum bis zum späten Ende verweilte, beeindruckt auch von der Gitarrengruppe „Die Vielsaitigen“, die das Programm stimmig umrahmte.

Roland Greißl