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Die vierte Strophe und das kleine Schweigen

Aufgerufen zur Adventslesung, ließen sich die Autoren des Landsberger Autorenkreises unter der Moderation von Hannelore Warreyn gerne auf das Thema „Miteinander in die stade Zeit“ ein.

Ein Lyriker fragte sich jedoch, ob er über Stille überhaupt sprechen sollte. Die Antwort folgte auf dem Fuß, denn er schwieg die halbe vierte Strophe, und mit ihm alle Anwesenden. Eine stille Insel, inmitten großer Worte, fein komponierter Sätze und dem Alltagslärm. Zuvor wurden besinnliche und zuweilen auch kritische Geschichten, Gedichte und Essays zum Besten gegeben.

Der Rubberich oder Belzmertel aus dem Frankenland, der bei uns unter dem Namen Knecht Ruprecht gefürchtet ist, tauchte aus dunklen Kindheitserinnerungen auf. Seine Besonderheit: Das finstere Wesen tritt im Fränkischen mit Bären- oder Wolfsfell auf und stiehlt selbst einem Nikolaus die Schau.

Besinnlicher Harfen- und Flötenklang von Eva Langenwalter zu adventlichen Gedanken ließ aus Grantlern wieder Kinder werden, und der kleine Hans sah einen Engel vorbeifliegen. Zwischen manchen Zeilen verbarg sich ewiges Erwarten ohne jedes Ankommen, verbunden mit der Frage, ob der jemals dagewesen sei, den wir sehnlichst erwarten.

Waren es die Weisen aus dem Morgenland, die in einem Märchen wiederentdeckt wurden, sich jetzt allerdings König Siebengescheit, König Neunmalklug und König Besserwisser nennen, den Herrn des Erdkreises suchend, der alles weiß, ohne es besser zu wissen?

Von der Vorweihnachtszeit genervt, stimmte ein Vorleser kritische Töne an; er schimpfte über den Rausch der Illumination oder vereinfacht über Glitzergelump, Zipfelkasper und Lichtverschmutzung.

Am Ende klang es dann in einem Beitrag doch wieder versöhnlich, wie es sich in der Vorweihnachtszeit gehört. Der Zuruf einer Autorin fasste es ganz praktisch zusammen: Weihnachtspantoffel, und alle sind versorgt!

Franz Oberhofer

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