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Wechselgesänge zum Jahreswechsel


Moderatorin Gabriele Gerlach und Organisator Max Dietz begrüßten die anwesenden Autoren und Gäste. Den guten Geist eines Jungen – in Gestalt einer Schneeflocke – stellte uns Gabriele Gerlach zur Einstimmung vor. Das Zwiegespräch der beiden „nötigte“ den kleinen Felix zum Buch zu greifen …

Es folgte Klaus Köhler mit zwei Winterstanzen, die die christliche und die sportliche Seite der Jahreszeit beschrieben. In ersterer waren Menschen nur Gäste beim Christgeburtstag, im letzterer hofften sie auf viel guten Schnee. Hannelore Warreyn erzählte von Bethlehem und dem Licht, das uns nicht verloren geht – und sie überreichte eine goldene Schachtel , gefüllt mit vielen kleinen Küsschen, als Weihnachtspräsent. Roland Greißl berichtete von Roberts Gutschaf. Das Schaf, das Robert rettete, hätte der Rest der Herde zum Wohl der anderen geopfert. Etwas ganz Besonderes war für Fred Fraas die alte Dame aus dem 5. Stock, die einem entflogenen und vergessenen Wellensittich ein neues Zuhause gab.

Claire Guinin hing noch ihren Novembergedanken nach, als sie die Feststellung machte: „Alles hat ein Ende, und dann wird alles hell, leicht und weit.“ Anschließend beleuchtete sie mit ihrem Gedicht „Advent Advent“ den Geschenkewettstreit der Omas und Opas um die Gunst der Enkel. Helmut Glatz wusste vom Christkind-Casting im Vorfeld eines Weihnachtsmarktes zu berichten, wo die Frage auftauchte: Kann das Christkind denn auch ein Junge sein? Viele Fragen mussten die Bewerber beantworten, um vor den Augen der Jury zu bestehen. Lore Kienzl trug den Zuhörern Weihnachts- bzw. Liebesgedichte vor mit dem Ziel, das Leuchten in manchen Augen wieder erstrahlen zu lassen: Liebesgedichte zum Fest der Liebe.

Reinhard Wendland umschrieb mit lyrischen Worten die Situation und Träume der Flüchtlinge. Er beobachtete sie bei einer Demonstration im Regen und gab ihnen flüchtige Gedanken. Helfer denken hier über die Flüchtlinge und Flüchtlinge über Helfer nach. Nach einer kurzen Pause erzählte Klaus Wuchner von einem Gingkobaum, wie er sich im Lauf des Jahres verändert. Er trotzt dem Nebel und beschirmt die Pflänzchen, die in seinem Schutz gedeihen. Carmen Kraus erinnerte mit einer Fluchtgeschichte vor dreißig Jahren aus Rumänien an Kinder, die sich noch über Kleinigkeiten freuen konnten. Sie bastelten z.B. aus Getränkekartons Spiele, was heute wohl kaum noch jemand macht.

Corinne Haberl ihrerseits gab ihrem Unmut über so manche Banalitäten, die sich in Glückwunschtexten verbergen, Ausdruck. Max Dietz erträumte sich eine Familien-Weihnacht in bunten Bildern mit dem Chor der Engel, fern der Realität – doch kam er nach dem Erwachen zurück in dieselbe. Paul Wendland erkannte in seinen Wechselgesängen zum Advent, dass in jedem Schönen ein Lichtgedicht schwingt. Renate Exsz würde sich gern wohlfühlen wie das Kind in der Krippe, wenn endlich Liebe und Frieden die Welt beherrschten. Denn „wenn es keine Waffen mehr gäbe, würde so mancher blöd schauen“ , und das Fazit wäre Frieden.

Heinz Singer reimte in humorvollen Gedichten vom brennenden All, einer Birke im Jahreslauf, einem Pflanzenleben ab dem ersten Keimen und einer hungrigen Fliege, die am menschlichen Frühstückstisch Chaos verbreitete. Monika Hrastnik betrachtete abschließend den Tag durch seinen Namen, denn es war der 4. Dezember: Barbaratag, an dem bekanntlich Obstzweige aus dem Garten in die Stuben wandern, um am Weihnachtsabend zu blühen. Sie träumte sich in einen Advent mit Weihnachtsmärkten und Schneeflocken.

Mit einem Tipp für „Ladenhütergeschenke“, weil Weihnachten jedes Jahr überraschen kommt, verabschiedete Gabriele Gerlach ihre Gäste: Sie verschenkte naive Träume, Gelassenheit, Freundschaft, ein kleines Lächeln und vieles andere mehr.

Monika Hrastnik