Frischer Wind - 16.11.2018

"Frischer Wind entwurzelt nicht"


Das war das Thema der Herbstlesung des Landsberger Autorenkreises im Café FilmBühne. Moderator Roland Greißl begrüßte vergnügt die „Gäste und Gästinnen“ im gut gefüllten Café, und tatsächlich wehte ein frischer Wind viele frische Gedanken durch den Raum.
Monika Hrastnik eröffnete den Reigen der Lesenden mit einem Gedicht, in dem todesmutige Blätter sich von Bäumen stürzen und das Herz sich darüber freut. Klaus Wuchner wusste von Staub zu erzählen, der auf reine Luft trifft, und von Energie, die strömt und aufatmen lässt.
Helmut Glatz ließ einen „blökenden Schäfer“ zu Wort kommen, der feststellte, dass Dichter im Herbst lyrisch werden. Max Dietz verleitete den erlösenden Nordwind dazu, gemeinsam mit dem Föhn die Geister des Herbstes vor sich her zu treiben. Gastleser Jürgen Ostler referierte über schöne Kleidung im Herbst, die die Feder beschwingt und das Auge beflügelt.
Claire Guinin wusste von einem Relikt (Tauchsieder) aus alter Zeit zu berichten, dessen Umtausch sich durch Sprachbarrieren und Missverständnisse schwierig gestaltete. Marianne Porsche-Rohrer erzählte von Wind in allen Lebenslagen, „tobt Wind in einem Menschbauch, dann lobe Wald und Wind ich auch“, meinte sie schelmisch.


Gerwin Degmair ließ Windeier Früchte entschalen und Windböen im Windfang sich verheddern. Dieter Vogels Eiche warf ihr Blätterkleid ab und beschwerte sich dann über die Menschen, die sich den Platz zunutze machten, um sich selbst ins Geäst zu „hängen“. Bei Monika Sadegor spielten die Brüder Wind mit den Schwestern Wolke und Dunst und bereiteten den kleinen und großen Menschen auf der Erde Freude mit ihrem Spiel.
Lore Kienzl nannte den Sturm gesichtslos und malte ihn doch mit so unterschiedlichen Gesichtern aus, dass er fast greifbar war. Sandro Wirth ließ durch den Herbstwind Farben erstrahlen, die das Lachen fördern, und Blätter im Tanz sich vereinen.
Kurt Eisner inspirierte Roland Greißl zu Gedanken über Kunst und Politik, die er gemeinsam mit Monika Sadegor zum Besten gab. „Es kann die Frömmste nicht in Frieden leben …“ meinte auch Corinne Haberl und reimte mit Hilfe von Struwwelpeter-Geschichten aus der Nachbarschaft eines Mietshauses.
„Ist Träumen mit 70 nur heiße Luft?“, fragte Fred Fraas das Publikum und erinnerte sich an wehende Kleider im Herbst, um festzustellen: Nichts ist mehr wie früher, auch der Soldat mit seinem Sturmgewehr ist Vergangenheit. Ein gelbes Blatt wollte frei sein und mit dem Wind segeln. „Wind, nimm mich mit in freie Weiten“, hatte es gerufen, und Theresa Schermer gab ihm die Freiheit.
Roland Greißl verabschiedete schließlich seine „Gäste und Gästinnen“ und zeigte sich erfreut über die vielen unterschiedlichen Sichtweisen.

Monika Hrastnik



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