Faschingslesung - 26.01.2018

Sinnfrei kreativ


„Albern unsre Dichter, ernten sie Gelichter“, reimte Moderator Roland Greißl und wünschte sich zur Faschingslesung des Landsberger Autorenkreises im übervoll besetzen Cafe FilmBühne „möglichst sinnentleerte Gedichte, die gerne auch hintersinnig sein können“. Und was sich die Literaten, zum großen Teil in fantasiereichen Kostümen, nicht alles einfallen ließen! Sie badeten sprachtrunken im Wörtersee, torkelten über die Reimwiese und wälzten sich im Buchstabensalat: Nonsens und Dada feierten fröhliche Urständ! Jogaübungen (aus ihrem jüngsten Buch „Doktor Wald hilft Jung und Alt“), Heidi Glatz aus Kaufering nahm das Defilee der Autoren ab und schilderte – nicht ohne lokalen Hintersinn – den Angriff der Parteiwurmgeister auf den Glühwurmbürgermeister.


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Überraschend reich die Fauna im Narrenland: Carmen Kraus belauschte weise schmunzelnd die Unterhaltung zwischen Frosch und Feuerwanze, Gerwin Degmair verbrachte eine aufregende Nacht als Made im Storchennest, Marianne Porsche-Rohrer schilderte die haarsträubenden Aktionen von Auerhahn August und Waldkäuzchens Jogaübungen (aus ihrem jüngsten Buch „Doktor Wald hilft Jung und Alt“), Heidi Glatz aus Kaufering nahm das Defilee der Autoren ab und schilderte – nicht ohne lokalen Hintersinn – den Angriff der Parteiwurmgeister auf den Glühwurmbürgermeister.

Völlig sinnlos und ohne jeglichen Hintersinn (oder doch?) dichtete Claire Guinin: „In Landsberg ist die Welt entsinnt – und spinnt, horrido!“ Richard Eitel kehrte hochgelahrt den Weltgeist zusammen, während die Hypothesen fett hinterm Ofen hockten, Max Dietz limerickte von Limerickdichtern aus Landsberg und Leichtmatrosen aus Bozen, und Helmut Glatz trug im Duell mit Max Dietz Spiegelfechtereien höheren Blödsinns aus seinem neuesten Büchlein „Hösens, Höherer Blödsens“ vor.


Natürlich kamen auch die Prosaiker zu Wort: Martje Herzog machte mit ihrer sicherheitsrelevanten Polizeianweisung behördlicherseits dem letzten Hauch von Fasching den Garaus, Monika Sadegor erzählte die pikante Geschichte einer unsinnigen Liaison mit überraschender Pointe, Peer Gynt vom Ammersee begegnete im Rittersaal des Schlosses Donaumünster einem grässlichen Gespenst, Klaus Wuchner genoss genüsslich den Tee vom Tegernsee, und Dieter Vogel machte sich auf, einen Faschingsball zu kaufen zwecks gymnastischer Sportbetätigung.

Nachdenklich wurden die Zuhörer bei den philosophischen Betrachtungen von Fred Fraas über die Perlen des Lachens und des Weinens, um gleich darauf in Lachstürme auszubrechen bei Lore Kienzls valentineskem Dialog einer naiven Patientin mit einem verrückten, völlig durchgeknallten Professor Eitel.

Ein besonderes Schmankerl des närrischen Reigens waren ohne Zweifel die Altwiener und Altmünchner Lieder, stimm- und wortgewaltig serviert von Chansonette Jeanette Pichler, die von Bernd Adam an der Gitarre begleitet wurde.


Fazit nach zweieinhalb Stunden närrischen Reigens: köstlich amüsiert, keine Minute langweilig, selten so gelacht, großartiger Humor. Fasching, dich hab’ ich vernommen!

Helmut Glatz





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