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Die Früchte des Jahres im Autorenkreis


Es ist schon Tradition, dass jeweils zum Ende eines Jahres die Mitglieder des Landsberger Autorenkreises ihre Neuerscheinungen vorstellen. Diesmal war die literarische Ernte besonders reichhaltig, wie Moderator Thomas Glatz in der FilmBühne feststellte: Sieben neue Bücher lagen auf dem Büchertisch, eines schöner, spannender und interessanter als das andere.

Den Vorstellungsreigen – die Reihenfolge wurde ausgelost – begann Hannelore Warreyn. „Gedichte Gedanken – Auslese aus 5 Jahrzehnten“ heißt ihr neues Buch, eine Sammlung von Reflexionen, Versen, „Wortgeflechten“, die zum Nachdenken anregen, zum Innehalten auffordern, Mut machen wollen.

Marianne Porsche-Rohrer, Apothekerin, Heilpraktikerin, Dozentin, schreibt heitere Gedichtebücher rund um das Thema Gesundheit. Ihr neuestes Buch in dieser Reihe heißt „Doktor Wald hilft Jung und Alt“, in dem sie in Reimform Merk- und Denkwürdiges über den Wald berichtet und dazu auffordert, diesen Jungbrunnen zu genießen. Exemplarisch stellte sie diesmal in lustigen Versen den Fliegenpilz, die Eibe und die Maulwurf-Familie Schaufelmann vor.

Hans Schütz ist weit über das Allgäu hinaus bekannt für seinen Einsatz als Natur- und Umweltschützer. In seinem Buch mit dem verwegenen Titel „Allrhand Duranand“ sind eine Fülle von heiteren, spaßigen, aber auch bissig-satirischen und gesellschaftskritischen „Gschichtla und Versla“ in Oberallgäuer Mundart versammelt.

Heidenore Glatz kann gleich mit mehreren Veröffentlichungen aufwarten. Sie schreibt über Traurigkeit, Sehnsucht nach einem verlorenen Menschen, den tiefen Schmerz bei Verlusten: „Gedanken danach – Worte für meine Trauer“ heißt ihr kleines Gedichtebüchlein. In dem Band „Ein Pfund Zwetschgen, bitte!“ finden sich „Geschichten zum Erinnern und Wohlfühlen“, voller Trost, Hoffnung, Heimat, nicht zuletzt gedacht als Hilfe im Umgang mit alten Menschen und Demenzkranken.

Fast schon legendär sind die Miniromane von Thomas Glatz, im handlichen Reclam-Taschenbuch-Format. Er hat sich vorgenommen, zu jedem Buchstaben des Alphabets einen Kurzroman zu schreiben. Ob er das schafft? Diesmal war das „N“ an der Reihe. In der witzig- bis aberwitzigen Geschichte „Nuddernheim“ lernt man die „Typologie der schlimmsten Zugreisenden“ kennen, vom Zugsocker über den Wildbienenhalter bis zum Bundestagsabgeordneten.

Ähnlich verrückte, surrealistische „Geschichten ohne Netz und doppelten Boden“ finden sich in dem Buch „Mein Hut, mein Onkel und ich“ von Helmut Glatz, voller „facettenreicher Fantasie, mit Leichtigkeit verpackt und dabei die moderne Gesellschaft karikierend“, wie es eine Leserin beschreibt. Der Autor las als Kostprobe daraus die Geschichte von den Geruchsindikatoren, die „Steuersünder, Geldschrankknacker, Falschparker und anderes Gesindel“ am Geruch erkennen und ihrer gerechten Strafe zuführen.

Weil die Veranstaltung auch als freie Lesung gedacht war, kamen noch weitere Autoren zu Wort: Dagmar Grünbichler, neu im Kreis, las ein fantasievolles, zauberhaftes Elfenmärchen von der wunderschönen Blumenfee Cellibelli, die mit ihrem floralen Klavier alle Welt glücklich macht. Carmen Kraus erzählte auf feinsinnige, poetische Weise vom Teich, in den sie alle ihre Wünsche versenkt. Ihr größter Wunsch aber bleibt erhalten: anderen zu helfen. Corinne Haberl beklagte den Mord an zwei kleinen Igeln, von Unbekannten auf der Straße grausam zu Tode gequält. Monika Sadegor schilderte eine absurde Szene, wie ein dekorationssüchtiger Buchkäufer mit seinen Wünschen die Buchhändler zur Verzweiflung bringt. Den fulminanten Schlusspunkt des Lesereigens setzte schließlich Fred Fraas mit seinem wüsten, schwarzhumorigen Mundartgedicht: „Ob da der Deifl drinna steckt?“

Anschließend wurde noch lange gefachsimpelt und, nicht zuletzt mit dem Gedanken an die anstehenden Weihnachtsgeschenke, in den ausliegenden Büchern geschmökert.

Helmut Glatz