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Poeten beim Bier


Zum ersten Mal trafen sich zahlreiche Freunde der Lyrik und Prosa in der Maxbrauerei und Biermanufaktur in Altenstadt – zur diesjährigen Südlesung des Landsberger Autorenkreises.

Unter der Moderation von Marianne Porsche-Rohrer präsentierten 18 Lesewillige ihre Texte zum Thema „Poeten beim Bier“. In den Redepausen bereicherte Erich Steiner aus Peiting die Darbietungen mit modernen und einzigartigen Musikstücken auf seiner Drehorgel.

Marianne Porsche-Rohrer eröffnete den Leseabend mit einem Gedicht aus ihrem Buch „Sebastian Kneipp heilt Seele und Leib“ und machte gleich zu Beginn Appetit auf Hopfen, der gegen Stress wirkt. Auch im Bier kann er genossen werden, „allerdings soll man’s nicht kippen, sonst lastet’s schwer auf den Rippen.“

Klaus Wuchner entschied sich – in Anbetracht der Vielzahl der Leser – für die Wiederholung eines kurzen Gedichtes und verführte die Zuhörer mit Gedanken um ein kussechtes Lippenpaar.

Carmen Kraus erinnerte in heiteren Versen, wie schnell Bierseligkeit redselig macht, was andere für ihre Zwecke nutzen, und mahnte in poetischen Worten davor, ein gutes Leben allzu leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Rudi Fichtl zählte in einer Danksagung augenzwinkernd allerlei wohlschmeckende alkoholische Getränke auf und erbrachte wissenschaftliche Erkenntnisse zum lange unerklärlichen Bierschwund. Abschließend schilderte er tierischen Alkoholismus, um daraus einen ganz besonderen Tierschutzgedanken abzuleiten.

Hans Schütz präsentierte in Lechbrucker Mundart verschmitzt die Bierprobe eines Pärchens als Alternative zum heimischen Fernsehabend. In „Schluchtwaldmesse“ belegte er die Göttlichkeit der Natur mit Schachtelhalmen und Bischofsstäben. Seinen Vortrag beendete er mit einer tierisch-literarischen Erklärung des Begriffs „Haiku“.

Helmut Glatz fand sich als „Lyriker auf dem Heimweg“ wieder. Bekannt schelmisch und eindringlich betonend deklamierte er sein zufälliges Antreffen eines Lyrikerkreises. Im Sprühregen des Jeremias Wüterich schilderte er sein Erleben mit der illustren Gesellschaft des Hobbydichters und Gelegenheitsapothekers Wiesenbrüter.

Gastleserin Hannelore Sasradi reimte turbulentes Anglerglück im Unglück und fügte später noch ein Rätselgedicht an, in dem eine Vielzahl seltsamer Fragen gestellt wird wie: Warum hab ich Gemeinheiten im Sinn? Weil ich eine … – aber nein, die Schlusspointe soll hier nicht verraten werden.

Heidenore Glatz eröffnete ihren gereimten Vortrag mit einem „Biertraum mit Schaum“, der neben Hopfenblütentee und Gerstensaft noch weitere Assoziationen aufreihte. Schalkhaft schilderte sie danach noch einen missglückten Besuch bei der Münchner Wiesn.

Reinhard Wendland hatte keine Biertexte, doch erschlagenden Effekt konnten auch Gelehrte haben, die Studien als Waffen benutzten. In „Macher und Denker“ karikierte er zwei Aktionstypen, die mit ihren Fähigkeiten allein nichts zu Wege brachten, mangels Einsicht aber auch nicht ihr Potenzial im gemeinsamen Wirken fanden. Wer ist ihnen noch nicht begegnet?

Max Dietz schilderte in einem ersten Biergartenbesuch schelmisch Szenen, die damit enden, dass schlussendlich das Hinterteil schwer und der Schädel leer ist. Immer wieder war er in Stegen, wo sich in einem „fast schon Stammtischdialog“ allmählich der groteske Hinweis „mein Nicken dient dem Frieden“ herausformte.

Monika Hrastnik erlangte mit einem Anwendungs-Gedicht über Bier die Aufmerksamkeit der Zuhörer, als sie dessen Vorzüge für Gesundheit, Haut und Haare hervorhob, und ermittelte, was noch dazu passt, nämlich eine Brotzeit.

Roland Greißl las eine Realsatire zur artgerechten Haltung, zu Feinheiten und Kniffen beim Putzen von Garnelen und der doch auch irgendwie exotischen Herkunft der Garnelen aus einer ortsnah geplanten Biogasanlage.

Heidi Kjaer trug in bayrischer Mundart ein pointiertes Gedicht über Bier vor und warb für die jährliche Mundartlesung des Autorenkreises beim Brunnenwirt in Ellighofen. Diese findet immer im Frühjahr statt. Schon im Herbst 2016 soll eine Gedächtnislesung für Otto Stedele an dessen Einsatz für die Lechrainer Mundart erinnern.

Fred Fraas deklamierte Wilhelm Buschs Gedicht über Tante Helene, von Branntwein, Heller und Dukaten, und reimte über Mathilenchen, ein argloses Mädel, das durch den Metzgerburschen mit dem sagenhaften Storch in Kontakt kam.

Lore Kienzl las zunächst ein Hundegedicht über Inka und den still verspeisten Kuchen. Danach richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf ein an diesem Ort seltenes Getränk, zu dem Brot und Käse und ein gutes Buch bestens passen: ein Gläschen Wein.

Petra Hinterstößer gab in „Eine betrogene Frau“ ihren lyrischen Gedanken Ausdruck. Neben vermittelten Bildern von Sonne, Regenbogen und anderen Reflexionen stellte sie abschließend fest: „Mir geht es gut!“

Heinz Otto Singer trug eindrücklich und unterhaltsam seine launige Ballade über das Leben eines Handlungsreisenden vor, der durch geschickte Heirat zu Namen und Geld, durch ein Marmeladenimperium zu Macht und Ruhm, aber durch eben dieses Produkt aber auch pointiert zu Fall kommt.

Dr. Boris Schneider las aus der Anthologie „Aqua Vitae“ seine Geschichte „Wasser des Lebens“, ein Western über Whiskey, der zur Zeit der Prohibition in den USA spielt. Der Hauptakteur heilt darin seinen gesetzvertretenden Verfolger, der durch eine Blutvergiftung schon dem Tode geweiht war, mittels Whiskey-Verbänden.

Paul H. Wendland setzte sich spitzfindig mit Sprichwörtern auseinander wie: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ In „Der Sinn des Unsinns im Narrenspiegel“ spiegelte er das unvollendete Wesen Mensch und spornte zu seiner Veredelung an, um das Menschsein zu vollenden. Das Einverständnis des Zuhörers vorausgesetzt, nimmt er dazu Geduld, Vernunft und Hafergrütze, die zu allen Dingen nütze seien.

Moderatorin Marianne Porsche-Rohrer freute sich in ihren Schlussworten am Feuerwerk der unterschiedlichen Texte. Autorenkreisleiter Max Dietz fügte einen besonderen Dank für die gute Organisation am neuen Ort hinzu und lud zum nächsten Leseabend des Landsberger Autorenkreises am 22. Juli im historischen Rochlhaus in Thaining ein.

Erich Steiner beendete auf der Drehorgel den kurzweiligen Abend mit einem rockigen Musikstück, das er in Zusammenarbeit mit einer Band vertont hatte.

Reinhard Wendland